Familie Hüffer aus Isselburg bei Essen hatte kürzlich doppelten Grund zur Freude: Vor kurzem kam ihr jüngstes Familienmitglied Jerome zur Welt und noch dazu war er ein Jubiläumskind. Denn sein Nabelschnurblut war das 70.000ste, das bei der Stammzellbank Vita 34 eingelagert wurde. Unsere Redaktion hat mit der Familie gesprochen.
Sie haben insgesamt bereits vier Kinder, aber Sie haben bisher nur für Ihren jüngsten Sohn Jerome Nabelschnurblut eingelagert. Gibt es dafür einen bestimmten Grund?
Ja, das ist richtig. Der Grund dafür ist, dass wir, als unsere älteren Kinder geboren wurden, noch nichts von dieser Möglichkeit wussten. Wenn wir die Informationen von heute bereits vor 15 Jahren gehabt hätten, dann hätten wir das Nabelschnurblut all unserer Kinder aufgehoben und eingelagert.
Es ist erst etwa zehn Jahre her, dass die Möglichkeit der Nabelschnurblut-Einlagerung in Deutschland eingeführt wurde. Daher ist es immer noch ein unbekanntes Thema für einige werdende Eltern. Wie sind Sie aktuell darauf aufmerksam geworden?
Wir haben in der Praxis unseres Gynäkologen Werbematerialien vorgefunden und haben dann mit unserem Arzt Rücksprache gehalten. Weitere Informationen haben wir dann über das Internet eingeholt, da in unserem ganzen Bekannten- und Freundeskreis noch keiner das Nabelschnurblut seines Kindes aufbewahrt hat. So konnten wir da auf keine Erfahrungen zurückgreifen.
Was hat Sie dazu bewogen, sich näher mit dem Thema zu befassen?
Mit diesem Thema haben wir uns deshalb beschäftigt, weil bereits einige Krankheiten mit Stammzellen gelindert oder sogar behoben werden können, wenn passende Stammzellen zur Verfügung stehen. Außerdem setzen wir einfach auch viel Hoffnung und Vertrauen in die Forschung.
Das Nabelschnurblut von Jerome ist das 70.000ste, welches in einer Leipziger Nabelschnurblutbank eingelagert wurde. Wussten Sie, dass dieses Jubiläum ansteht?
Nein, wir wussten nichts von einem bevorstehenden Jubiläum. Es war ein sehr netter und glücklicher Zufall. Wir hatten uns fest dazu entschlossen, dass das Blut unseres Sohnes aufbewahrt werden soll. Wir fanden zwar, dass es kein kleiner Betrag ist, der für die Einlagerung benötigt wird, aber man weiß nie welche Krankheiten auf einen zukommen werden und möglicherweise können diese mit den eingelagerten Stammzellen gelindert werden. In Relation zu den Krankheiten gesehen, ist es dann wiederum ein geringer finanzieller Betrag. Man kann schließlich die Gesundheit nicht mit Geld aufwiegen.
Ihr Sohn Jerome kam per Kaiserschnitt zur Welt, wie verlief die Entnahme im Krankenhaus? Waren die Ärzte gut vorbereitet?
Am Tag der Geburt war es zwar etwas hektisch, so wie es bei einer Operation sicherlich immer ist, aber das war unabhängig von der Entnahme des Nabelschnurblutes. Es waren alle bestens informiert und alle haben prima mitgearbeitet Obwohl wir die Entnahme für dieses Krankenhaus recht kurzfristig festgelegt hatten, hat alles reibungslos funktioniert. Wir haben morgens das Entnahmepaket im Entbindungssaal abgegeben und mussten uns um gar nichts weiter kümmern. Alles andere haben die Mitarbeiter des Krankenhauses und der Nabelschnurblutbank für uns erledigt. Wir haben lediglich noch ein paar Formulare ausgefüllt, wie den Anamnesefragebogen, in dem die Krankheitsgeschichte der Familie abgefragt wurde. Es ging alles ganz problemlos und sehr einfach.
Hätten sie sich eigentlich auch vorstellen können, das Nabelschnurblut für einen anderen Menschen zu spenden?
Wenn ich finanziell nicht in der Lage gewesen wäre, eine eigene Einlagerung zu bezahlen, dann hätte ich es auf jeden
Fall gespendet. Leider ist diese Möglichkeit noch weniger Müttern bekannt als die Eigenvorsorge, das finde ich sehr schade. Es wäre sicherlich eine gute Alternative für alle, die das Nabelschnurblut nicht für das eigene Kind aufheben möchten oder auch können.
Es gibt seit einiger Zeit die Möglichkeit, das Nabelschnurblut zunächst für das eigene Kind einzulagern, es aber im Bedarfsfall einem Anderen zu spenden. Man erhält dann das gezahlte Geld zurück. Haben Sie über diese Möglichkeit nachgedacht?
Auch wenn es sich etwas egoistisch anhört, aber ich möchte es wirklich für mein eigenes Kind aufbewahren. Schön wäre es natürlich gewesen, wenn man so viel Blut entnehmen könnte, dass man es hätte teilen können und einen Teil dann als Spende für die Datenbank freigeben könnte.
Wie haben Freunde und Verwandte auf die Nachricht reagiert, dass Sie Nabelschnurblut für Jerome einlagern lassen?
Sie waren sehr interessiert und im Großen und Ganzen begeistert. Die meisten Kinder in meinem Bekanntenkreis sind nun auch schon etwas älter und wurden zu einer Zeit geboren, zur der die Einlagerung noch nicht bekannt war.
Man liest in vielen Zeitschriften, dass die privaten Nabelschnurblutbanken ein Geschäft mit der Angst machen, wie stehen Sie dieser Aussage gegenüber?
Nein, ich denke nicht, dass es ein Geschäft mit der Angst ist, da eine Krankheit jeden treffen kann. Natürlich schließt man eine Versicherung immer nur für einen Fall ab, der hoffentlich nie eintritt. Genauso wie gegen den Verlust eines Eigenheims, gegen den sich auch alle versichern, oder wie bei der Krankenversicherung., so zahlt man jedes Jahr einen Beitrag. Dies aber nicht aus übersteigerter Angst, sondern weil dieses Unglück jeden treffen kann und leider auch nicht selten vorkommt. Warum sollte man dann nicht eine Art Krankenzusatzversicherung mit dem eigenen Nabelschnurblut für das Kind abschließen!
Was würden Sie abschließend werdenden Eltern raten, die noch überlegen, ob es sinnvoll ist, Nabelschnurblut aufzubewahren?
Ich würde auf jeden Fall raten, das Nabelschnurblut wenigstens als anonyme Spende abzugeben. Während der Schwangerschaft hat man dann immer noch genügend Zeit zu überlegen, ob man den Aufwand betreiben möchte, es für das eigene Kind zurückzulegen. Aber man sollte auf keinen Fall die Chance verpassen, dass das Nabelschnurblut überhaupt eingelagert wird. Sicherlich kann man damit irgendwann einem kranken Menschen helfen und vielleicht ist das dann sogar der Spender selbst, dem geholfen werden kann.
Vielen Dank für Ihre Zeit und Ihnen und Ihrer Familie alles Gute!
Tags: Einlagerung, Gesundheit, Nabelschnurblut, Spende, Stammzellen, Versicherung
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