Annett Planitzers Sohn leidet an Muskelschwund. Diese Erkrankung ist nicht heilbar und endet in den meisten Fällen mit dem Tod. Die junge Mutter ließ das Nabelschnurblut ihrer Tochter einlagern – in der Hoffnung, dass damit die Krankheit ihres Sohnes zumindest gestoppt werden kann. Durch eine Therapie mit Stammzellen aus Nabelschnurblut soll die Eiweißproduktion in seinen Muskelzellen wieder anlaufen.
Frau Planitzer, Sie haben sich für eine Einlagerung des Nabelschnurblutes ihrer Tochter entschieden. Warum?
Als Romina zur Welt kam, waren wir zunächst überglücklich, dass sie gesund ist. Denn ihr älterer Bruder ist sehr krank. Er leidet an Muskeldystrophie Duchenne. Das ist eine Art Muskelschwund, die im Moment noch nicht heilbar ist. Es wird zwar daran geforscht, die Erkrankung medikamentös oder mit Stammzellen zu therapieren, doch leider gibt es noch keinen Durchbruch. Wir hoffen, dass sich das bald ändert und mit dem Nabelschnurblut von Romina zumindest gestoppt werden kann. Sie ist gesund und sehr mobil. Das macht uns viel Freude. Wir beten, dass das auch so bleibt. weiterlesen »
”Meine Entscheidung für eine Einlagerung von Nabelschnurblut fiel erst zwei Tage vor der Entbindung”
Antje Kuhlmann hat das Nabelschnurblut ihrer Tochter einlagern lassen: Was sich anfangs als kurzfristige Entscheidung ”aus dem Bauch heraus” darstellte, hat sie nun so überzeugt, dass sie diese Vorsorgemaßnahme all ihren Freunden empfiehlt.
Warum haben Sie sich dafür entschieden, das Blut aus der Nabelschnur Ihrer Tochter einlagern zu lassen?
Nachdem ich dazu Informationsmaterial bei meiner Frauenärztin gelesen hatte, fand ich die Möglichkeit sehr gut, Chantal in Zukunft medizinische Behandlungen mit Nabelschnurblut zu ermöglichen. Natürlich hofft man, dass sie gesund bleibt und das nicht nötig wird. Doch zumindest sollen ihr in Zukunft diesbezüglich alle Türen offen stehen. Erst dachte ich, eine Einlagerung wäre finanziell nicht zu machen. Man gibt aber soviel Geld für eigentlich unwichtigere Dinge aus, dass ich mich zwei Tage vor meinem Geburtstermin doch noch dazu entschieden habe, das Blut einlagern zu lassen. weiterlesen »
Die Medizinerin und dreifache Mutter Gabriela Voß hat sich für eine Einlagerung des Nabelschnurblutes ihrer jüngsten Tochter Maria entschieden. Damit will sie ihr in Zukunft alle Möglichkeiten einer Behandlung mit Stammzellen offen halten. Die Ärztin glaubt, dass Erkrankungen wie Diabetes, Rheuma oder Stoffwechselleiden in naher Zukunft gezielt therapiert werden können.
Frau Voß, ist Ihnen die Entscheidung, das Nabelschnurblut Ihrer Tochter einzulagern, aufgrund Ihres Berufs leichter gefallen?
Das glaube ich schon. Ich behandle viele Krebspatienten und habe etliche Krankheitsverläufe beobachtet. Mit unseren heutigen Methoden versetzen wir die Patienten in Ausnahmezustände. Gerade bei Tumorleiden besteht eine hohe Sterberate und nur bei einigen Karzinomen kann eine Hochdosis-Therapie mit eigenen Stammzellen angewendet werden. Die Stammzellapherese, also das Absammeln der im eigenen Blut enthaltenen Stammzellen, und die Krebstherapie mit Eigenblut haben inzwischen ihren Platz in der Onkologie gefunden. Allerdings ist heutzutage eine Fremdspender-Transplantation gerade bei Leukämie günstiger, weil eine größere Anzahl Krebszellen zerstört werden kann. Wie Krebsleiden jedoch in Zukunft behandelt werden, das ist noch ein offenes Feld. Als besonders belastend habe ich die Situation in der Kinderonkologie empfunden – das geht einem als Mutter durch und durch. Da ist mir klar geworden, welche Angst ich davor habe, dass meiner Familie das auch mal passieren könnte. Ich musste alles ermöglichen, um meinen Kindern, falls sie einmal in eine solche Situation geraten, dann helfen zu können. weiterlesen »
Das Nabelschnurblut von Neugeborenen enthält wertvolle Materialien, die im Stande sind, das Blut- und das Abwehrsystem wiederherzustellen. Dass diese so genannten Stammzellen im Blut aus der Nabelschnur vorkommen, ist erst seit zirka 20 Jahren bekannt. Mehr als doppelt so lange sind die ”Alleskönner” aus Knochenmark im Einsatz. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass sich auf diesem Gebiet vermehrt Forschungserfolge verzeichnen lassen. Vor kurzem wieder in Amerika: Dort wurden Multiple Sklerose (MS)-Patienten erfolgreich mit ihren eigenen blutbildenden Stammzellen aus dem Knochenmark behandelt. Zunächst wurden die kranken Zellen, die das Nervensystem angriffen, durch eine Chemotherapie zerstört. Die danach transplantierten Stammzellen erwiesen sich als voll funktionstüchtig und linderten die Symptome der behandelten Personen. Wie Studien zeigen, ist das nur ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Die Arbeiten müssen fortgesetzt werden, um die Wirksamkeit zu bestätigen. Zudem hilft diese Art der Behandlung bisher nur Patienten, die am Anfang der Erkrankung stehen. Trotzdem legen die Ergebnisse den Einsatz von Nabelschnurblut nahe, da in ihm die gleichen Stammzellen wie Knochenmark sitzen – nur in einer jüngeren Version.
Hätte Familie Liedke bereits bei ihren ersten vier Kindern von der Möglichkeit gewusst, dass Nabelschnurblut eingelagert werden kann, hätten sie die Chance genutzt. Als sie sich bei ihrem fünften Kind für die Aufbewahrung des Nabelschnurblutes entschieden, stießen sie bei ihren Verwandten und Bekannten auf wenig Verständnis. Trotz alledem ließen sie sich nicht von ihrem Vorhaben abbringen und stehen nach wie vor zu dieser Entscheidung.
Wann haben Sie zum ersten Mal davon gehört, dass Stammzellen aus Nabelschnurblut eingelagert werden können?
Das war Ende des Jahres 1999. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich gerade mein viertes Kind zur Welt gebracht. Ich fand es schade, dass ich erst danach – und somit zu spät – von dieser Möglichkeit gehört habe, denn so konnte ich bei meinen ersten vier Kindern nicht davon Gebrauch machen. Doch während meiner fünften Schwangerschaft habe ich mich bei einer privaten Nabelschnurblutbank genau informiert und Isabells Blut einlagern lassen. Wir hoffen, dass wir im Notfall auch unseren anderen Kindern helfen können, wenn sie die Stammzellen für die Therapie einer schweren Krankheit benötigen. weiterlesen »
Die privaten Nabelschnurblutbanken haben genau durchgezählt. Das Ergebnis: Vorsorglich eingelagertes Nabelschnurblut wird immer häufiger angewendet. Im Vergleich zu 2007 stiegt die Zahl der Transplantationen um 64 Prozent, auf 2006 bezogen sogar um 370 Prozent. In den meisten Fällen wurde das Blut für den Spender selbst eingesetzt aber auch enge Verwandte profitierten von konservierten Stammzellen. In den USA wird das Blut aus der Nabelschnur am häufigsten angewendet – vor allem bei Hirnschäden, Diabetes Typ-1, Leukämie und Sichelzellanämie. Auch in Deutschland tut sich Einiges: Anfang des Jahres startete eine Studie zur Wirksamkeit von Nabelschnurblut bei Kindern mit Diabetes Typ-1. Lesen Sie hier die Pressemitteilung der privaten Nabelschnurblutbank.
Nachdem in ihrem Familien- und Bekanntenkreis einige schwere Krebserkrankungen auftraten, hat sich Brigitte Thielking-Nees bei ihrem dritten Kind für die Vorsorge entschieden: 2002 ließ sie das Nabelschnurblut ihrer Tochter Eilika einlagern, auch wenn ihr damals nur wenige Informationen zu diesem Thema zugänglich waren. Sie und ihr Mann hoffen damit, im Notfall auch ihren ältesten Kindern – heute neun und 16 Jahre alt – helfen zu können.
Warum haben Sie sich dazu entschieden, das Nabelschnurblut Ihres Kindes einlagern zu lassen?
Wir haben uns entschlossen, es aufzubewahren, da in unserem näheren Umfeld einige schwere Erkrankungen aufgetreten sind. Zum einen ist unser ältester Sohn von Geburt an herzkrank und muss dementsprechend versorgt werden. Zum anderen gab es in unserem Bekannten- und Verwandtenkreis zwei schlimme Krebsfälle, die wir hautnah miterlebten. Zuerst starb meine Mutter mit 49 Jahren an dieser Krankheit. Und kurz danach ist der Sohn unserer Freundin im Alter von vier Monaten plötzlich an Leukämie erkrankt, obwohl es vorher noch nie einen ähnlichen Fall in der Familie gab. Diese beiden Schicksalsschläge zeigten uns, dass es jeden treffen kann. Aus diesem Grund haben wir uns für die Aufbewahrung des Blutes aus der Nabelschnur entschieden. Denn sollte bei unserer Tochter eine Krankheit festgestellt werden, könnte das Blut ihre Rettung sein. weiterlesen »
In Bochum wurde ein zweijähriges Kind mit seinem eigenen Nabelschnurblut behandelt. Es litt seit einer Operation an spastischen Lähmungen. Die Eltern entdeckten auf der Suche nach Behandlungsmöglichkeiten die Ärzte am Knappschaftskrankenhaus Langendreer. Diese hatten in ihren Forschungen den positiven Effekt des Blutes aus der Nabelschnur auf Hirnschäden bewiesen. Nachdem die Formalitäten abgeschlossen waren und auch der Ethikrat zustimmte, konnte das Blut am 27. Januar transplantiert werden. Lesen Sie hier den ganzen Artikel.
Ein weiterer Beweis für die Wirksamkeit von Nabelschnurblut: In Japan litt eine 26-jährige Frau an Wucherflechte, einer Krebsart, bei der Blutzellen entarten und den Körper angreifen. Da Bestrahlung und eine Knochenmarktransplantation nicht halfen, versuchten es die Ärzte mit Stammzellen aus Nabelschnurblut: Zwei Jahre nach der Behandlung ist die junge Frau jetzt ohne Symptome. Die Frage, welche weiteren Krankheiten in Zukunft mit Nabelschnurblut geheilt werden können, erhält damit neue Brisanz.
Führende Mediziner aus ganz Europa haben in ihrem Jahresbericht wieder einmal die Wichtigkeit neuartiger Therapien betont. Dabei werden Blut- und Gewebestammzellen eingesetzt, die auch aus Nabelschnurblut gewonnen werden. So können mit Nabelschnurblut beispielsweise Muskeln, Knochen oder Knorpel repariert oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen behandelt werden. Ein weiterer wichtiger Punkt in dem Bericht: Die Anzahl an Stammzelltransplantationen von nicht verwandten Spendern war bereits vor zwei Jahren genauso groß wie die von Geschwisterspendern. Nabelschnurblut kann somit nicht nur zur Therapie des eigenen Kindes sondern auch für Verwandte ersten Grades beziehungsweise fremden Nachwuchs eingesetzt werden. Die Konservierung des Blutes aus der Nabelschnur als Privatvorsorge oder Spende wird damit für Eltern immer wichtiger.


