23. Juni 2008

Angelika und Jan Dierksen aus Hamburg haben sich bereits vor zehn Jahren für die Einlagerung von Nabelschnurblut entschieden. Ihre Eindrücke, Emotionen und Beweggründe hat die Familie in einem Erfahrungsbericht zusammengefasst. Heute haben die “Dierksens” fünf Kinder: Annika, neun Jahre, Merlin Jan-Nick und Laurens Jerrit, beide im Jahr 2002 geboren, Julius Flavian, drei Jahre alt und Benjamin Tamino, geboren im Jahr 2008.

Nabelschnurblut-Dierksen“Als wir vor zehn Jahren endlich von einem positiven Schwangerschaftstest erfuhren, waren wir überglücklich. Aber kaum war es soweit, hatten wir auch Angst. Angst vor einer Fehlgeburt, Angst vor einer Behinderung, vor einer Krankheit, die gerade unser Kind treffen würde. Darum wollten wir alles für dieses Kind tun, egal was es kostet.

Mein Bruder erzählte mir von der Möglichkeit der Nabelschnurblutentnahme. Er kannte den Gründer von VITA 34, Dr. Lampeter, vom Studium und überzeugte mich davon, Kontakt mit VITA 34 aufzunehmen. Das war über das Internet schon damals kein Problem. Wir befragten auch unsere Ärzte nach Ihrer Meinung, selbst eine Praxis in Hamburg, die sich auf die Fehlbildungsdiagnostik spezialisiert hatte, sagte damals zu uns:” Naja, wenn Sie das Geld übrig haben… Aber man weiß ja noch gar nicht, was man damit später machen kann und benutzt wurden diese Präparate in Deutschland auch noch nicht. Für Leukämie ist es nicht einsetzbar. Wahrscheinlich müssen sie damit ins Ausland fahren, um es als Medikament einsetzen zu dürfen…”

Unsere erste Tochter wurde schließlich am 1.Juli 1999 geboren. Damals waren die Ärzte noch sehr unerfahren mit der Entnahme. Unsere Ärztin hat es trotz widriger Umstände dann doch noch hinbekommen und Annikas Nabelschnurblut ging auf Reisen nach Leipzig.

Wir versuchten danach, im Freundeskreis auch andere Eltern von der Einlagerung zu überzeugen, unter anderem auch eine Mutter, die selbst als Kind an Lymphknotenkrebs litt. Aber noch ohne Erfolg.

Drei Jahre später waren wir guter Hoffnung auf Zwillinge. Mittlerweile gab es schon eine weiteres Unternehmen in Österreich, das die private Einlagerung von Nabelschnurblut anbot, aber Auslandsgeschäfte sind immer noch etwas schwieriger als Verhandlungen mit deutschen Geschäftspartnern und da uns VITA 34 ein gutes Angebot für Mehrlingsgeburten machte, entschieden wir uns wieder dafür. Sechs Wochen vor dem Stichtag begann mein Körper eine Schwangerschaftsvergiftung zu entwickeln, so dass die Ärzte zwei Wochen später einen Kaiserschnitt planten. Die gleiche Klinik verfügte zu diesem Zeitpunkt – im Oktober 2002 – über geschultes Personal und versprach ihr Bestes zu geben, aber in so einer Situation gehe wirklich das Wohl der Kinder und der Mutter vor der Entnahme. Das sahen wir auch so, trotzdem hat es geklappt.

Leider erfuhren wir später, dass die Zahl der im Blut enthaltenen kernhaltigen Zellen sehr gering sei, es würde bei einer Therapie höchstens bis zu einem Körpergewicht von fünf bis zehn Kilogramm ausreichen. VITA 34 empfahl die Verwerfung. Nach Rücksprache mit meinem Bruder, der mittlerweile in den USA lebt und arbeitet und Seminare über Biotechnologie besucht, entschieden wir uns dennoch für die Aufbewahrung. Er war schon damals fest davon überzeugt, dass es irgendwann die Möglichkeiten geben wird, die Zellen zu vermehren.

Im Juni 2005 wurde unser jüngster Sohn ohne Probleme spontan geboren. VITA 34 war für alle ein Begriff, man wies uns lediglich daraufhin, dass die Einlagerung keine Krankenkassenleistung sei. Wieder war die Zahl der kernhaltigen Zellen sehr gering. Mittlerweile verschickte VITA 34 in solchen Fällen ein zusätzliches Informationsblatt, das verständlich erläuterte, weshalb das überhaupt vorkommen kann, und überließ uns dann die Entscheidung. Wir wollten gleiches Recht für alle Kinder – und entschieden uns wieder für die Aufbewahrung.

Mittlerweile hörten wir in den Medien immer öfter etwas von den vielfältigen Einsatzmöglichkeiten von Stammzellen und konnten damit auch andere Eltern von dieser einmaligen Chance überzeugen.

Ganz unerwartet wurde ich 2007 wieder schwanger. Dieses Mal lagen sowohl bei meiner Gynäkologin, als auch in dieser Hamburger Spezialpraxis Broschüren von VITA 34 aus. Sogar ein Vergleich der Europäischen Nabelschnurblutbanken war auf einem Flyer abgedruckt. Man hat uns zu diesem Zeitpunkt schließlich die Entnahme empfohlen.

Die Geburt ließ auf sich warten. Zehn Tage nach dem Geburtstermin mussten die Wehen eingeleitet werden, aber auch danach ließ sich unser fünftes Kind Zeit. So hatten wir lange Zeit, uns mit den Ärzten zu unterhalten. Außerdem ergab es sich, dass zufällig ein Kamerateam in der Klinik war, das einen Dokumentarfilm über ”Schmerzen am Anfang und am Ende des Lebens” drehen wollten. Sie fragten uns, ob wir bereit wären, die Geburt filmen zu lassen. Im Gespräch mit dem Kameramann kamen wir auch auf das Thema mit der Nabeschnurbluteinlagerung zu sprechen. Er erzählte uns, dass er vor einem Jahr einen Film über VITA 34 im Altonaer Krankenhaus gedreht hatte. So klein ist die Welt…

Die Geburt ging dann doch noch ganz plötzlich los, so dass Ärztin und Filmteam Mühe hatten, es rechtzeitig in den Kreissaal schafften. In dem Trubel vergaßen wir noch glatt dass Entnahme-Set im Wehen-Zimmer. Glücklicherweise erinnerte sich die Ärztin daran, als Klein-Benjamin bereits das Licht der Welt erblickte aber noch nicht abgenabelt war. Sie hatte alles in Griff, veranlasste den Transport und auch die Zellzahl war diesmal ausreichend.

Wir hätten nun genügend Auswahl an Stammzellen, aber wollen es dennoch niemals ausprobieren…

PS: Es wäre schön, wenn die Kosten von der Krankenkasse zumindest bezuschusst würden oder sie vielleicht als außergewöhnliche Belastungen steuerlich absetzen könnte.”

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Nabelschnurblut: "Wir wollen für dieses Kind alles tun, egal, was es kostet.", 5.0 out of 5 based on 1 rating

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