Julian ist für Martina Börner aus Hof ein ganz besonderes Kind. Die Ärzte hatten ihr gesagt, sie könne keine Kinder bekommen. Als Martina Börner dann aber doch schwanger wurde, entschied sie sich ganz bewusst dafür, das Nabelschnurblut ihres heute zwei Jahre alten Sohnes einzulagern. Über ihre Motive spricht die junge Mutter im Interview.
Wie sind Sie auf die Möglichkeit aufmerksam geworden, das Blut aus der Nabelschnur Ihres Kindes aufzubewahren?
Darauf hat mich zuerst meine Hebamme aufmerksam gemacht. Bei einer Übungsstunde zur Geburtsvorbereitung hat sie das Thema angesprochen und mir erzählt, dass sie bereits bei anderen Müttern Nabelschnurblut entnommen hat. Wir haben uns dann länger darüber unterhalten.
Haben Sie sich anschließend noch auf anderen Wegen informiert?
Ich habe mit meinem Frauenarzt gesprochen. Er gab mir daraufhin die Broschüren einer privaten Nabelschnurblutbank, die ich mir genau angesehen habe. Anschließend rief ich dort an, ließ mich beraten und forderte weitere Informationen an.
Wie schnell fiel dann Ihre Entscheidung, und wodurch wurden Sie überzeugt, das Blut einzulagern?
Nachdem ich das Material durchgearbeitet hatte, habe ich mich relativ schnell für die Aufbewahrung entschieden. Daraus kann kein Schaden entstehen, sagte ich mir. Außerdem ging es mir durch den Kopf: Wenn ich es nicht tue, könnte ich mir später deshalb Vorwürfe machen. Denn immerhin ist es möglich, dass das Blut meinem Sohn einmal hilft. Ich hoffe zwar, dass er es nicht brauchen wird, aber man weiß ja nie.
Wie waren die Reaktionen Ihrer Familie und Freunde, als sie von Ihrer Entscheidung gehört haben?
Ich habe es zuerst meiner Mutter erzählt. Sie hatte schon davon gehört, dass man das Blut aus der Nabelschnur einlagern kann. Zwar wusste sie noch nicht viel darüber, aber nachdem ich ihr alles erklärt habe, war sie begeistert. Für manche meiner Bekannten käme es allerdings wegen der Kosten nicht in Frage, das Nabelschnurblut ihrer Babys bei einer privaten Nabelschnurblutbank aufbewahren zu lassen. Ich jedenfalls habe gute Erfahrungen damit gemacht, und ich gebe diese auch gern weiter.
Was wissen Sie über die Anwendungen des Blutes aus der Nabelschnur?
Durch die regelmäßigen Informationen meiner Nabelschnurblutbank erfahre ich, welche Krankheiten damit schon geheilt wurden, so zum Beispiel jugendlicher Diabetes. So etwas kann ja wirklich jeden treffen.
Gibt es in Ihrem familiären Umkreis solche Erkrankungen, die Sie darin bestärkt haben, die besondere Vorsorge durch eine Nabelschnurbluteinlagerung zu treffen?
Ja, mein Schwiegervater hat Diabetes. Das war für mich ein Grund dafür, für mein Kind vorzusorgen. Denn falls Julian auch Diabetes bekommt, können ihm vielleicht die Stammzellen aus seinem Blut helfen.
Was halten Sie von der Möglichkeit, das Nabelschnurblut zu spenden?
Dazu kann ich nicht viel sagen. Ich habe Julians Blut aufbewahren lassen für den Fall, dass er selbst einmal krank wird. Daher wüsste ich nicht, was ich tun sollte, wenn Sie jetzt auf mich zutreten und um eine Nabelschnurblutspende bitten würden. Ich weiß ja heute noch nicht, ob mein Sohn das Blut einmal selbst braucht. Deshalb fiele mir die Entscheidung schwer.
Ist Julian Ihr einziges Kind? Wollen Sie vielleicht noch weitere bekommen?
Er ist mein einziges Kind und weitere sind nicht geplant. Denn ich habe ihn erst spät bekommen und das war etwas ganz Besonderes. Meine Ärzte hatten mir nämlich gesagt, ich könne auf natürlichem Wege keine Kinder kriegen, aber auf einmal wurde ich doch schwanger. Darüber habe ich mich sehr gefreut, da eine künstliche Befruchtung für mich nicht in Frage kam. Ich bin wirklich froh, jetzt einen gesunden Sohn zu haben.
Dann ist Julian ja ein echtes Glückskind!
Ja, das ist er, und deshalb hielt ich es für eine gute Idee, ihn mit dem Nabelschnurblut abzusichern. Vielleicht war der ausschlaggebende Punkt für meine Entscheidung eben die Tatsache, dass ich ganz unerwartet doch noch schwanger wurde. Denn mit einem solchen Geschenk möchte man dann ganz besonders behutsam umgehen.
Was würden Sie Müttern raten, die noch unsicher sind, ob sie das Blut aus der Nabelschnur ihres Babys bei der Geburt einlagern lassen sollen?
Erst einmal sollten sie Information sammeln. Dazu empfiehlt es sich beispielsweise, bei einer privaten Nabelschnurblutbank anzurufen und sich dort kompetent beraten zu lassen. Die Entscheidung muss letztlich jeder selbst treffen. Viele verzichten aus finanziellen Gründen auf die Möglichkeit zur Vorsorge. Aber meist kann man den Preis für die Einlagerung in monatlichen Raten zahlen, wodurch es leichter wird.
Vielen Dank für das Gespräch!
Tags: Einlagerung, Nabelschnurblut, Stammzellen
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21. 04. 2009 at 17:27
[...] verschiedene Blut- und Immunzellen ausdifferenzieren. Darauf beruht die medizinische Wirkung vieler Nabelschnurblut-Transplantationen, bei denen ein zerstörtes Immunsystem – in der Regel bei einer Krebsbehandlung [...]