michaelDas Nabelschnurblut des fünfjährigen Michael aus Althengstett wurde eingelagert, um für seine Gesundheit vorzusorgen. Seine Mutter erklärt im Interview, weshalb ihr dieser Schritt sehr wichtig war. Sie hatte ihr Krankenhaus dazu bewegen können, das Blut zu entnehmen, obwohl die Klinik diesen Service bis dahin gar nicht angeboten hatte.

Sie haben Michaels Nabelschnurblut bei der Geburt entnehmen lassen. Verlief dabei alles glatt, oder gab es irgendwelche Probleme?

Bei der Entnahme selbst nicht – aber es war schwierig, damals ein Krankenhaus zu finden, dass die Entnahme überhaupt durchführte. Nicht alle Kliniken waren zu diesem Zeitpunkt dazu bereit. Denn als mein Sohn geboren wurde, war das Verfahren noch nicht ganz so gängig wie heute. Gerade in jenem Krankenhaus, in dem ich entbunden hatte, galt die Entnahme des Blutes zunächst als nicht möglich.

Dennoch haben Sie es geschafft, dass Ihnen dort das Nabelschnurblut entnommen wurde…

Ja – denn einige Monate zuvor war bereits eine Familie da gewesen, die diese Leistung ebenfalls wünschte. Die Klinik hatte die Entnahme auch durchgeführt – aber nur, um das Verfahren einmal zu testen. Allerdings hatte das Krankenhaus kein großes Interesse daran, diese Dienstleistung weiterhin anzubieten. Da wir jedoch vehement darauf drängten, dass das Blut aus der Nabelschnur bei unserem Kind entnommen wird, erklärte sich die Klinik schließlich damit einverstanden und leitete alle notwendigen Schritte in die Wege. Nach Michaels Geburt hat die behandelnde Ärztin innerhalb des Hauses eine Informationsveranstaltung über die Nabelschnurblut-Entnahme für ihre Kollegen durchgeführt. Und mittlerweile gehört die Prozedur auch in diesem Krankenhaus, wie fast überall, zum Standardangebot.

Was waren denn die Gründe, dass Sie sich so für die Nabelschnurblutaufbewahrung eingesetzt haben?

Wir wollten die Chance dazu nicht verstreichen lassen – denn die Möglichkeit zur Entnahme gibt es nur einmal im Leben eines Kindes, nämlich bei der Geburt. Nutzt man sie dann nicht, ist sie ein für allemal vertan. Und wenn ich mich nicht dafür entschieden hätte, könnte ich es später einmal bereuen. Gerade deshalb, weil sich für die Zukunft einige Perspektiven eröffnen, die heute noch nicht absehbar sind. Ich hoffe nämlich, dass sich die Stammzellmedizin in den nächsten 20 Jahren noch deutlich weiter entwickelt. Es ist natürlich besser, wenn unser Sohn sein Nabelschnurblut nicht braucht. Aber man weiß ja nie. Ausschlaggebend für meine Entscheidung war das Sicherheitsgefühl. Denn um für die Gesundheit seines Kindes vorzusorgen, möchte man ja alles getan haben, was man konnte.

Verfolgen Sie seit der Einlagerung die Fortschritte in der Forschung mit Nabelschnurblut-Stammzellen?

Ja. Ich lese dazu regelmäßig die Informationen meiner Nabelschnurblutbank, die uns über Neuigkeiten auf diesem Gebiet auf dem Laufenden hält. Aufmerksam werde ich natürlich auch, wenn das Thema in den Medien auftaucht. Sehr oft geschieht das aber leider nicht. Wenn die Zeitungen oder Magazine dann aber doch einmal darüber berichten, lese ich es mit großem Interesse.

Wo sehen Sie die zukünftigen Anwendungsmöglichkeiten von Nabelschnurblut?

Ich hoffe, dass man damit schwerwiegende chronische Krankheiten wie zum Beispiel Autoimmunkrankheiten wird heilen können. Außerdem könnte mit Hilfe der Stammzellen die Neuzüchtung von Organen in den Bereich des Möglichen rücken. Das wäre ein großer Fortschritt, denn bei Spenderorganen herrscht ein großer Mangel.

Wenn Sie selbst noch einmal Kinder bekommen sollten – würden Sie dann das Nabelschnurblut wieder einlagern lassen?

Garantiert, und zwar ohne darüber nachzudenken. Die Einlagerung ist auf jeden Fall ein richtiger Schritt. Außerdem habe mit meiner Nabelschnurblutbank sehr gute Erfahrungen gemacht. Als ich zum Beispiel noch Fragen zum Ablauf der Entnahme hatte, wurde mir alles klar und verständlich erklärt. Der Vorgang selbst und die Übergabe des Nabelschnurblutes an einen Kurier – alles verlief reibungslos. Und das Infomaterials war so gut, dass die Klinikärztin es direkt aufgegriffen hat, um ihre Kollegen aufzuklären. Man muss sich als Schwangere also wirklich keine Sorgen darüber machen, dass man beispielsweise einen hohen Zeitaufwand damit hätte, sich um die Details der Entnahme kümmern zu müssen. Dem ist nicht so.

Was halten Sie von der Möglichkeit, das Blut aus der Nabelschnur zu spenden?

Für mich persönlich kommt eine Spende nicht in Frage, weil ich das Blut für mein eigenes Kind aufbewahren möchte. Jedoch würde ich es sehr befürworten, wenn jemand, der sich die private Einlagerung nicht leisten kann, das Nabelschnurblut seines Kindes spenden würde. Entnommen werden sollte es in jedem Fall. Denn es wäre doch schade, wenn es verloren ginge, obwohl vielleicht noch einem kranken Menschen damit geholfen werden könnte. Aus ähnlichen Überlegungen heraus besitze ich auch einen Organspendeausweis.

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