Um ihrem Sohn Juewa (3) die Nabelschnurbluteinlagerung zu ermöglichen, hatte Familie Steinbrück aus Wölfersheim Freunde und Verwandte zur Geburt um Geldgeschenke statt Kuscheltiere gebeten. Denn diese Chance wollten sie sich nicht entgehen lassen. Wir haben mit Mutter Sabine Steinbrück über ihre Entscheidung gesprochen
Wie geht es Juewa denn so?
Ihm geht es gut, er ist gesund, abgesehen von einer kleinen Lebensmittelallergie, aber das ist nichts Dramatisches.
Wie haben Sie als Sie schwanger waren von der Möglichkeit gehört, Nabelschnurblut aufzubewahren?
Bei meinem Frauenarzt lagen viele verschiedene Zeitschriften rund um das Thema Schwangerschaft aus, in einer von diesen haben wir eine Anzeige zum Thema Nabelschnurblut gesehen. Wir haben uns weiter erkundigt, Infomaterial von einer Nabelschnurblutbank erhalten und uns die enthaltene DVD angeschaut. Dann war klar, dass wir das machen möchten.
Also ging der Entscheidungsprozess relativ schnell?
Wir mussten uns erst einmal erkundigen, was sind Nabelschnurblut-Stammzellen überhaupt. Blut- und Knochenmarkspende, das kennt man bereits, aber Nabelschnurblut-Stammzellen waren für uns damals noch nicht so bekannt. Wir haben uns also zunächst im Internet erkundigt und nachgelesen. Schließlich haben wir gesagt „Das ist eine ganz klare Sache, das machen wir.“ Die Entscheidung war eigentlich schon gefallen, bevor wir die DVD angesehen haben.
Hatten Sie das Gefühl, über das Thema ausreichend informiert zu sein oder hätten Sie sich noch mehr Informationen gewünscht?
Nein, ich fand die Informationen ausreichend. Ich habe auch bei der Nabelschnurblutbank angerufen, man wird dort sehr gut beraten. Unsere Fragen wurden alle beantwortet.
Gab es einen bestimmten Grund, warum Sie sich für die Nabelschnurbluteinlagerung entschieden haben? Gibt es vielleicht Vorerkrankungen in Ihrer Familie, so dass Sie besonders sensibilisiert sind für dieses Thema?
Meine Großeltern sind zwar an Krebs gestorben, aber das war nicht der ausschlaggebende Grund für mich. Eher war der Grund für uns, dass wir einfach wussten, dass es das gibt und dass die Möglichkeit diese Nabelschnurblutstammzellen aufzubewahren niemanden weh tut. Wenn irgendwann einmal etwas passiert und man hat diese einmalige Chance nicht genutzt, würde man seines Lebens nicht mehr froh werden, weil man einfach weiß, man hätte vielleicht mit den Stammzellen helfen können. Wir hatten bisher keine wahnsinnig schlimmen Erkrankungen in der Familie, aber man weiß doch nie, was passiert. So sind wir einfach auf der sicheren Seite.
Gab es irgendwelche Gründe, die gegen die Einlagerung gesprochen hätten?
Zweifel hatten wir nicht. Es war nur eine Frage des Geldes. Es ist halt auf einen Schlag sehr viel. Wenn man das erste Mal ein Kind bekommt, hat man jede Menge Ausgaben für verschiedene Anschaffungen. Daher hatten wir uns zusätzlich noch erkundigt, welche anderen Möglichkeiten es gibt, wie die Spende des Nabelschnurblutes zum Beispiel. Aber davon sind wir schnell wieder abgekommen.
Sie haben sich also auch mit der Möglichkeit der Nabelschnurblutspende auseinander gesetzt. Warum haben Sie sich dann doch für die Einlagerung für Ihr Kind entschieden?
Heutzutage können Stammzellen noch nicht nachgezüchtet werden, aus diesem Grund soll das Nabelschnurblut auch nur für unser eigenes Kind aufbewahrt sein. Ich gehe zum Beispiel auch zur Blutspende, aber Blut steht einem auch permanent zur Verfügung und es ist nicht eine so einmalige Chance, wie die Aufbewahrung der Stammzellen aus dem Nabelschnurblut. Natürlich ist es auf einen Schlag viel Geld. Wir haben uns dann von denen, die etwas zur Geburt schenken wollten, keinen Strampelanzug und kein Kuscheltier sondern Geld gewünscht. Von diesem Geld haben wir dann den allergrößten Teil der Einlagerung bezahlt.
Das ist eine sehr schöne Idee, so konnten sich Ihre Freunde und Ihre Familie direkt an der Einlagerung beteiligen…
Genau. Oma und Opa haben also keinen Kinderwagen gekauft, sondern haben eben etwas zur Nabelschnurbluteinlagerung dazu gegeben. Auch unsere Freunde haben uns somit einen großen Gefallen getan, selbst wenn es vielleicht „nur“ 5 Euro waren. Wenn es hilft, dass unser Sohn 100 Jahre alt wird, ist das ein viel größeres Glück.
Dann haben Sie sicher auch über mit Ihren Freunden und Familien ausführlich über das Thema Nabelschnurblutaufbewahrung gesprochen. Wir waren denn die Reaktionen?
Von „Aha, so was gibt es?“ bis „Super toll“. Alle waren davon begeistert. Wir sind relativ spät Eltern geworden, in unserem Bekanntenkreis wird demnächst kein Nachwuchs mehr kommen, aber viele, die jetzt schon ältere Kinder haben, haben gesagt, dass sie es auch gemacht hätten, wenn es damals diese Möglichkeit gegeben hätte. Ich spreche die Leute auch auf das Thema Nabelschnurblut an, wenn ich mitbekomme, dass jemand schwanger ist. Ich rate dann auch „Wenn es euch zu viel Geld ist, dann spendet es wenigstens!“. Es ist eine Sache, ob man sich das Geld in dem Moment leisten kann und will, aber wenn man es dann spendet, ist das auch sehr gut, zumal es einfach keinem weh tut.
Mittlerweile gibt es bei einigen Nabelschnurblutbanken die Möglichkeit, Spende und Eigenvorsorge zu kombinieren. Wäre das eine Möglichkeit gewesen, die Sie sich hätten vorstellen?
Es ist eine gute Sache, aber ich glaube, solange man Zellen nicht nachzüchten kann, hätte ich mich nicht dafür entschieden. Da bin ich glaube ich zu egoistisch. Ich hoffe nicht, dass Juewa seine Stammzellen irgendwann brauchen wird, aber wenn er sie bräuchte und ich hätte sie vorher weggeben, würde ich mir ewig Vorwürfe machen. Ich würde es heute auch wieder so einlagern, wie wir es damals gemacht haben. Wenn irgendwann Stammzellen nachgezüchtet werden können, spricht für mich auch nichts gegen eine Spende.
Können Sie sich noch erinnern, wie die Nabelschnurblutentnahme damals verlaufen ist?
Außer, dass ich das Klinikpersonal noch einmal daran erinnert habe, dass sie das Nabelschnurblut entnehmen sollen, habe ich gar nichts mitbekommen. Wir hatten im Vorhinein das Entnahmepaket Zuhause, die Geburt ging dann recht schnell, von der ersten Wehe bis der Kleine dann da war, waren es gerade einmal dreieinhalb Stunden und in dieser Hektik noch an das Entnahmepaket zu denken, war gar nicht so einfach. Aber da uns die Entnahme sehr wichtig war, waren wir beide hinterher, dass wir es auch dabei haben.
War die Klinik gut auf die Entnahme des Nabelschnurbluts vorbereitet?
Ich glaube, dass sie da kurzzeitig nicht daran gedacht hatten und ich sie noch einmal erinnern musste, hing damit zusammen, dass alles so wahnsinnig schnell ging. Wir waren im Bürgerhospital in Frankfurt und als wir mit unserem Entnahmepaket dort ankamen, war schon bekannt, dass wir das Nabelschnurblut entnehmen lassen möchten. Der Frauenarzt verdrehte allerdings die Augen, als wir sagten, dass wir das machen möchten und ihn gefragt haben, was er davon hielte. Er sagte „Wenn Sie meinen sie müssten das so machen, dann tun sie es“.
Hat Sie das verunsichert?
Einen kurzen Augenblick, weil ich dachte, warum steht er nicht hinter dieser guten Sache. Aber das muss auch jeder selbst wissen und wir wollten es nun einmal so und da war mir das relativ egal, was er davon hielt. Mir war in erster Linie wichtig, dass alle Bescheid wissen und dann auch alles funktioniert. Uns wurde versichert, dass alle Hebammen geschult sind und jede sich mit der Entnahme auskennt, egal welche zu dieser Zeit Dienst hat.
Ihr Sohn ist heute gesund und munter, bis auf eine kleine Allergie. Bereuen Sie die Entscheidung, das Nabelschnurblut eingelagert zu haben?
Nein, überhaupt nicht. Juewa ist erst drei Jahre alt und hat hoffentlich noch ein ganz langes Leben vor sich. Ganz im Gegenteil, es macht mich immer wieder froh, dass wir uns so entschieden haben, wenn ich den Newsletter von unserer Nabelschnurblutbank bekomme und lese, wie weit die Forschung heute schon ist.
A propos Newsletter, informieren Sie sich eigentlich weiterhin über die Forschungen im Bereich der Stammzellmedizin?
Ich bin auf jeden Fall daran interessiert, auf dem Laufenden zu bleiben. Es ist gut zu wissen, was man bereits alles machen kann mit den Stammzellen, aber wie genau man das macht, da muss ich zugeben, dass ist mir dann zu viel Biologie.
Welche Hoffnungen haben Sie in Sachen Medizin für die Zukunft?
Man hofft ja immer, dass die Menschen die einem lieb sind, gesund bleiben. Ich finde es sehr interessant, dass es Forschern in Israel gelungen ist, Nabelschnurblut-Stammzellen zu vermehren. Das ganze muss zwar noch getestet werden, aber es stimmt natürlich hoffnungsvoll für die Zukunft. Aber ansonsten müssen wir sehen, wie das Leben spielt und einfach hoffen, dass man gesund bleibt.
Gibt es etwas, das Sie werdenden Eltern in Bezug auf das Thema Nabelschnurbluteinlagerung raten würden?
Sobald man sich intensiv mit dem Thema Nabelschnurbluteinlagerung beschäftigt hat und weiß, dass es diese Chance gibt und was man damit machen kann, ist es meiner Meinung nach schlimm, diese nicht zu nutzen. Egal ob man die Stammzellen nun spendet oder für die Eigenvorsorge nutzt, es wäre einfach zu schade, sie wegzuwerfen. Ich kann es nur jedem empfehlen, es ist einfach eine zusätzliche Sicherheit. Natürlich bin ich auch so realistisch, um zu wissen, dass es keine Wunderwaffe ist, aber es ist eine weitere Chance, um vielleicht jemanden zu heilen.
Herzlichen Dank und alles Gute für Sie und Ihre Familie.
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