14. August 2009

connor-michelDas Nabelschnurblut des heute vierjährigen Connor Michel aus Langenbernsdorf bei Chemnitz wurde bei der Geburt entnommen und eingelagert. Mutter Anja gab nabelschnurblut4you.de ein Interview. Darin spricht sie über die Geburt ihrer Kinder und ihre Motive, das Blut aus der Nabelschnur aufzubewahren – auch bei Connors jüngerer Schwester.

Was ist es für Sie für ein Gefühl, Mutter zu sein, und wie empfanden Sie die ersten Tage mit Ihren Kindern?

Es ist ein unbeschreibliches Glücksgefühl, sein Kind im Arm halten zu dürfen – überwältigend. Ich habe es nun zweimal erleben dürfen und es war unbeschreiblich. Später kommt dann die Verantwortung auf einen zu und man fragt sich schon manchmal: ”Was habe ich da auf mich genommen?” Sicher hat man auch Stress und durchwachte Nächte. Aber wieder hergeben würde ich die Kleinen trotzdem nicht. Was die ersten Tage mit meinen Kindern betrifft, so habe ich das Glück gehabt, in einem Geburtshaus in einer sehr schönen Atmosphäre entbinden zu dürfen. Bei beiden Geburten habe ich mich jeweils für fünf Tage aus dem Alltag ausgeklinkt und mit den Neugeborenen eine sehr innige und intensiv erlebte Zeit verbracht.

Konnten Sie in Ihrem Geburtshaus auch Nabelschnurblut entnehmen lassen?

Ja. Nach dem ersten positiven Erlebnis, dass bei der Entnahme des Blutes von meinem Sohn alles reibungslos funktionierte, habe ich mich sogar entschlossen, das Blut meiner Tochter ebenfalls einzulagern.

Wie sind Sie darauf gekommen, dass Sie das Blut aus der Nabelschnur einlagern könnten?

Meine Schwiegermutter hat mich auf diese Möglichkeit aufmerksam gemacht, als ich das erste mal schwanger war. Sie hatte einmal eine Fernsehsendung zu diesem Thema gesehen. Daraufhin habe ich mich umgehört und Informationsmaterial von einer privaten Nabelschnurblutbank bestellt. Die Großeltern haben dann bei beiden Kindern die Einlagerung als Geschenk zur Geburt bezahlt, damit für sie vorgesorgt werden konnte.

War Ihr Geburtshaus gut auf die Entnahme des Nabelschnurblutes vorbereitet?

Ja, das wird dort öfter gemacht. Die Mitarbeiter dort haben auf diesem Gebiet also bereits Routine und halten sogar monatliche Infoabende über das Thema ab. Auch bei meinen Kindern gelang die Entnahme prima – obwohl es bei der Geburt meiner Tochter Schwierigkeiten gab, weil die Nabelschnur extrem kurz war. Die Hebamme hat dann ein kleines Wunder geleistet: Sie hat das Blut nämlich direkt aus der Plazenta entnommen.

Welcher Grund hat für Sie den Ausschlag dafür gegeben, das Blut aus der Nabelschnur einzulagern?

Wir erhoffen uns davon, unseren Kindern einmal helfen zu können, falls sie irgendeine Krankheit bekommen, die man mit Hilfe der darin enthaltenen Stammzellen heilen kann. Bei der Therapie von Krebs beispielsweise gibt es ja bereits Erfolge, wie wir aus den Infobriefen unserer Nabelschnurblutbank erfahren haben. Auch gute Ansätze zur Behandlung von Diabetes sind da. Hier handelt es sich um eine Volkskrankheit, die jeder bekommen kann – mein Vater war zum Beispiel Diabetiker. Und es könnte ja auch die Kinder treffen. Darüber möchte man zwar nicht nachdenken, aber es kann passieren. Daher halte ich die Vorsorge mit Nabelschnurblut für sinnvoll.

Haben Sie Freunden, Bekannten und Verwandten davon erzählt, dass Sie das Blut haben einlagern lassen?

Ja, ich habe es ihnen erzählt. Im Moment ist eine Freundin von mir schwanger und auf meinen Hinweis hin will sie sich jetzt auch über Einlagerungsmöglichkeiten informieren. Die meisten meiner Bekannten sehen das Thema positiv. Einige sind noch skeptisch über die konkreten Einsatzmöglichkeiten der Stammzellen, aber ich habe den Eindruck, dass die Forschung auf diesem Gebiet schnell voranschreitet. Ich verfolge das auch, indem ich die Infobriefe meiner Nabelschnurblutbank regelmäßig lese. Außerdem informiere ich mich hin und wieder über das Internet oder durch das Fernsehen. Und soweit ich weiß, vermag die Wissenschaft immer mehr mit den Zellen aus dem Nabelschnurblut anzufangen.

Was denken Sie, wo wird die Forschung in Zukunft hingehen?

Ich sehe zum Beispiel Potenzial bei der Behandlung von Schlaganfällen oder bei der Therapie von Diabetes. Auch im Fall von Herzproblemen, beispielsweise nach einem Infarkt, könnten Stammzellen dazu beitragen, dass sich das Gewebe besser regeneriert. In ferner Zukunft wäre es auch möglich, dass mit Hilfe der Zellen ganze Organe gezüchtet werden.

Wenn Sie noch einmal Kinder bekommen sollten – würden Sie dann das Nabelschnurblut wieder einlagern lassen? Und was raten Sie werdenden Müttern, die noch darüber nachdenken, ob sie das Blut aufbewahren sollten?

Ich selbst würde es auf jeden Fall wieder tun. Auch schwangeren Freundinnen habe ich bisher immer zugeraten – und in einem Fall, wie gesagt, offenbar erfolgreich.

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