Das Nabelschnurblut der zweijährigen Martha Hasse liegt sicher bei einer Blutbank. Dafür hat ihre Mutter Susan Hasse gesorgt. Warum sie das Blut ihrer Tochter bei der Geburt aufbewahrt hat und wie sie über zukünftige Anwendungen von Nabelschnurblut denkt, erzählt die junge Frau aus Tantow im Interview.
Wie ist es für Sie, Mutter zu sein, und wie empfanden Sie die ersten Tage mit Ihrem Kind?
Es ist sehr aufregend, man hat dadurch ein ganz anderes Leben. Martha ist unser lange geplantes Wunschkind. Dadurch, dass ich eine Woche lang im Krankenhaus gelegen habe, war die erste Zeit sehr ruhig und entspannt. Auch zu Hause waren die ersten Tage sehr angenehm.
Sie haben das Blut aus Marthas Nabelschnur einlagern lassen. Wie sind Sie auf die Möglichkeit aufmerksam geworden und wie haben Sie sich über das Thema informiert?
Meine damalige Berliner Frauenärztin gab mir den Prospekt eines Klinikums mit, in dem ein Vortrag einer privaten Nabelschnurblutbank angekündigt wurde. Sie meinte, es könne für mich sehr interessant sein, und das war es auch. Auf der Veranstaltung habe ich eine Infomappe und eine DVD bekommen. Dadurch wurden bereits viele Fragen geklärt. Ich rief später dann noch bei der Nabelschnurblutbank an und fühlte mich sehr gut beraten.
Was bedeutet für Sie persönlich die Einlagerung von Nabelschnurblut?
Eine gute Freundin von mir, die mich zu dem Vortrag begleitet hatte, war vor allem von den Forschungsergebnissen zu den mitwachsenden Herzklappen begeistert, da sie selbst an einem Herzklappenfehler leidet. Sie hat mir deshalb geraten, das Blut aus der Nabelschnur unbedingt einlagern zu lassen. Da außerdem mein Vater mit 47 Jahren an Krebs starb und auch in der Familie meines Mannes einige Krankheiten wie Diabetes bestehen, wollten wir vorsorgen. Sollte es einmal nötig sein, kann unsere Tochter somit auf eigene Stammzellen zurückgreifen.
Wie haben Ihre Freunde und Bekannten auf Ihre Entscheidung reagiert, das Blut einlagern zu lassen?
Die meisten fanden es gut, andere waren skeptisch, weil sie unsicher sind, was es bringt und wie sich die Forschung weiter entwickelt. Manche schreckt auch der Preis ab. Aber mein Mann und ich haben schon ein gewisses finanzielles Polster für Fälle wie diesen anlegen können.
Was wissen Sie über derzeitige und künftige Anwendungen von Nabelschnurblut?
Ich lese regelmäßig die Infopost meiner privaten Nabelschnurblutbank. Im Gedächtnis haften geblieben sind mir Meldungen über die Behandlungsmöglichkeiten von Diabetes oder Schlaganfällen. Zudem rechne ich damit, dass die Forschung im Medizinbereich in den nächsten Jahrzehnten weiter fortschreitet, so dass noch mehr Anwendungsgebiete hinzukommen werden.
Wenn sich andere Mütter noch unsicher sind, ob sie das Blut aus der Nabelschnur ihres Babys einlagern lassen sollen oder nicht – was würden Sie ihnen raten?
Ich würde ihnen raten, es auf jeden Fall zu tun, weil die Gelegenheit dazu nicht wiederkommt. Wenn ich noch einmal ein Kind bekommen sollte, würde ich mich wieder genauso entscheiden. Besonders wichtig ist mir, dass das Blut lebenslang aufbewahrt werden kann. Das macht es zu einem besonders wertvollen Geschenk für das eigene Kind, das es auch im Erwachsenenalter noch nutzen kann.
Tags: Einlagerung, Nabelschnurblut, Stammzellen
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25. 05. 2009 at 15:55
[...] Nabelschnurblut ist das Blut, das nach der Geburt eines Kindes in der Nabelschnur und in der Plazenta zurückbleibt. Es handelt sich weder um Blut der Mutter noch um kindliches Blut, da es zwischen beiden zirkuliert. Während der Schwangerschaft ist es für die Versorgung des Embryos mit Sauerstoff und Nährstoffen zuständig, die aus dem mütterlichen Kreislauf stammen. Daneben werden über das Nabelschnurblut auch Stoffwechselabbauprodukte des Kindes abtransportiert. Drei Blutgefäße in der Nabelschnur erfüllen diese Zwecke. Dabei handelt es sich um eine Nabelvene und zwei Nabelarterien. Erstere leitet nährstoffreiches Blut von der Plazenta zum Kind, und die beiden Letzteren entsorgen die Stoffwechselreste des Embryos – vor allem Kohlendioxid – in Richtung der Plazenta der Mutter. [...]