15. Februar 2008

Nabelschnurblut-Vorbereitung

Die nächste Station – der Vorbereitungsraum – befindet sich fast am Ende des langen Ganges und ist ebenso mit Laborinstrumenten ausgestattet: Mikroskope, Pipetten und Waagen reihen sich aneinander. Hier wird das Nabelschnurblut auf Gewicht und Menge geprüft. Zudem wird es auf vier Grad Celsius heruntergekühlt – möglich durch die Zugabe von Kryokonservierungslösung. Diese Art ”Gefrierschutzmittel” ist völlig unschädlich für die Stammzellen. Vielmehr ist es notwendig, um das Nabelschnurblut vor der bevorstehenden extremen Kälte zu schützen.

Nach der Geburt des Kindes sind im Durchschnitt 80 Milliliter Nabelschnurblut zu gewinnen. In Ausnahmefällen sind es sogar bis zu 200 Milliliter, die einlagert werden können. Um die eigentliche Vorbereitung des Nabelschnurblutes verfolgen zu können, müssen die neugierigen Augen den Medizinisch-Technischen-Assistenten (MTAs) aufmerksam folgen. Kurz vorher noch ganz in Weiß, kommen die Fachkräfte nun in speziellen grünen Anzügen, Handschuhen, Kopfbedeckung und Mundschutz aus der Schleuse heraus. Das Blut selbst wird durch eine kleine Materialschleuse in den ”Reinraum” befördert. Die Schleusen verhindern, dass Keime übertragen werden. Der Name des Labors und die spezielle Kleidung sind auf die äußerst hygienischen Bedingungen zurückzuführen: Der Raum ist hundertmal reiner als ein OP-Saal. Die Luft wird von einem an der Decke befindlichen Filtersystem in diesen aseptischen Zustand versetzt. ”Die äußerst sterilen Bedingungen sind sehr wichtig, da das Blut hier verarbeitet wird und unter keinen Umständen Keime hineingelangen sollen”, erklärt der Leiter des Kundenservices. Die MTAs selbst sitzen an einem sterilen Arbeitstisch – der zum Großteil hinter einer Glasscheibe liegt. Durch einen schmalen Schlitz zwischen der Arbeitsplatte und der Glasscheibe stecken die MTAs ihre durch Gummihandschuhe geschützten Hände. Werden die Hände aus den Öffnungen gezogen, werden sie sofort mit Desinfektionsmittel gereinigt. Keine Keime, keine Verunreinigung gelangt unter diesen Bedingungen an das Nabelschnurblut. Während der ganzen Prozedur wird der Blutbeutel auf einer Kühlplatte bei vier Grad Celsius gelagert.

Wir versuchen noch einen Blick auf die junge Frau zu erhaschen, um die weiteren Arbeitsschritte beobachten zu können: Zuerst nimmt sie kleine Mengen des Blutes ab und füllt sie in Röhrchen, die später u.a. für verschiedenste Tests benötigt werden. ”Wir frieren einen Teil des Blutes in so genannten Rückstellröhrchen ein. Das können wir dann verwenden, wenn wir das Blut z.B. vor einer Anwendung noch einmal untersuchen wollen, ohne dabei die komplette Menge auftauen zu müssen”, so Kunert. Über einen Schlauch füllt sie nun das Blut von dem ursprünglichen Beutel in einen anderen Blutbeutel um, der laut Dr. Kunert ganz spezielle Materialeigenschaften hat und die extreme Kälte sehr gut verträgt.

Über eine Pumpe gibt die Laborantin dann die vorher errechnete Menge an Gefrierschutzmittel zu und verschweißt anschließend den Beutel sicher. Das Blut gelangt – in einer Alukassette geschützt – über eine weitere Schleuse in den Einfrierraum ganz am Ende des Ganges.

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2 Kommentare für “Das gläserene Labor bei VITA 34 (Teil II)”

  1. Local Professionals - Jobblog über neue Arbeitswelten » Nabelschnurblut - Besuch im “Eislabor” Says:

    [...] geschaut und unseren Rundgang bei dem Leipziger Unternehmen auch gleich schriftlich festhalten – hier, hier, hier und [...]

  2. Nabelschnurblut – behandelbare Krankheiten : Nabelschnurblut Says:

    [...] ein oder spenden es öffentlichen Einrichtungen. Doch welche Krankheiten können heute schon mit Nabelschnurblut behandelt werden? Welchen Patienten kann Nabelschnurblut in Zukunft helfen? Eine übersichtliche [...]

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