Etwas in der Hinterhand zu haben, das war für Anna-Maria Schneider und ihren Mann Uwe Schneider der Grund, das Nabelschnurblut ihres Sohnes einlagern zu lassen. Dabei setzte die Familie auf Informationen und den Rat von Ärzten – schließlich war die Stammzellforschung vor vier Jahren noch nicht an den heutigen Ergebnissen zu messen. Ein Blick hinter die Kulissen einer Nabelschnurblutbank hat Anna-Maria Schneider schlussendlich komplett überzeugt. Ihr Resümee: ”Ich würde es auch bei meinem zweiten Kind wieder tun.”
Warum haben sie sich dafür entschieden, das Nabelschnurblut Ihres Kindes einzulagern?
Nun, mein Mann und ich haben beschlossen, das Nabelschnurblut aufzubewahren, um unserem Kind im Notfall alle medizinischen Möglichkeiten offen zu halten. Natürlich hoffen wir, dass dieser Fall nie eintritt.
Wie haben Sie von dieser Vorsorgemöglichkeit erfahren?
Wir haben uns belesen, denn gerade wenn eine Frau schwanger ist, konsumiert sie allerhand Literatur. Durch Werbung einer Nabelschnurblutbank wurde ich auf die Möglichkeit, Nabelschnurblut einzulagern, aufmerksam. Man muss dazu sagen, dass das ganze Thema zu diesem Zeitpunkt noch sehr umstritten war. Es gab sehr viele Fürsprecher, aber eben auch viele Gegner. Diese ganze Sache hat uns dazu gebracht, uns zu informieren und schlau zu machen. Wir sind der Frage nachgegangen: Was bedeutet es, das Nabelschnurblut seines Kindes zu konservieren? Natürlich haben wir dabei auch Ärzte, Freunde und Familie einbezogen und uns Rat geholt.
Das heißt, Sie haben sich nicht von den negativen Meinungen zur Einlagerung von Nabelschnurblut beeinflussen lassen?
Natürlich wollen werdende Eltern in erster Linie eines: das Beste für ihr neugeborenes Kind. Und dabei muss man auch abwägen, was das günstigste für das Baby ist. Die Informationen, die wir bekommen haben, haben uns darin bestärkt, das Nabelschnurblut dauerhaft einlagern zu lassen. Auch dann, wenn es vielleicht jetzt noch nicht in voller Gänze genutzt werden kann, aber es perspektivisch für uns eine lohnenswerte Sache ist. Wenn man bedenkt, was sich in den letzten zehn Jahren in der Stammzellforschung getan hat, dann hat das einen immensen Einfluss auf unsere Entscheidung.
Sie beobachten die Entwicklungen der Stammzellforschung also weiterhin. Finden Sie, dass sich seit der Geburt Ihres Sohnes die Informationen zum Thema Nabelschnurblut verändert haben?
Ich persönlich denke, dass die Informationen in erster Linie leichter zugänglich sind. Zudem wird das Thema selbst – also die Einlagerung von Nabelschnurblut – differenzierter betrachtet. Man setzt mittlerweile auf die Erfahrungen, die man in der Stammzellforschung gemacht hat und kann dadurch auch auf positive Ergebnisse zurückgreifen. Die Grundlage ist eben heute eine andere als noch vor wenigen Jahren. Trotzdem spielen natürlich die Eltern selbst dabei eine wichtige Rolle, also wie zugänglich sind sie für das Thema ”Nabelschnurblut einlagern” oder ”Stammzellforschung”. Sie müssen sich damit auseinandersetzen und eben auch Ärzte dazu befragen.
Ist Ihnen die Entscheidung, Nabelschnurblut einzulagern, leicht gefallen?
Ja, im Grunde schon. Es bleibt nur der finanzielle Aspekt, den werdende Eltern für sich selbst thematisieren sollten. Ich denke, wenn sich Mütter oder Väter bewusst dagegen entscheiden, können sie sich die Einlagerung von Nabelschnurblut vielleicht nicht leisten. Doch ich glaube, dass es wichtig ist, die Chancen für sein Kind zu sehen – als Investition in die Zukunft. Denn die Möglichkeit, das Nabelschnurblut einzulagern, gibt es eben nur ein einziges Mal. Und sollte in unserem Fall der Notfall eintreten und wir hätten uns gegen die Aufbewahrung entschieden, wissen wir, dass wir uns Vorwürfe gemacht hätten. Zudem gibt es ja heute die Möglichkeit, die Einlagerung des Nabelschnurblutes zu finanzieren.
Haben Sie sich während der Geburt Gedanken um die Nabelschnurblutentnahme gemacht?
Im Vorfeld ging mir viel durch den Kopf. Aber da alles sehr positiv verlief und alles für die Entnahme des Nabelschnurblutes vorhanden war, machte ich mir keine Sorgen. Im Krankenhaus selbst ging es dann zwar drunter und drüber, weil wir in dieser Klinik die ersten Eltern waren, die Nabelschnurblut entnehmen ließen. Aber die Hebamme und der Arzt haben alles mit Bravour gemeistert und ich habe mich keinen Moment unwohl gefühlt. Ich habe auf die Kompetenz der Mediziner vertraut und, selbst die Abholung des Nabelschnurblutes ging reibungslos über die Bühne, obwohl es das erste Mal war und noch nicht alles routiniert ablief.
Was würden Sie Müttern empfehlen, die das Nabelschnurblut ihres Kindes einlagern lassen wollen?
Also, was ich als sehr positiv empfunden habe, war der Besuch einer Nabelschnurblutbank. Wie wird eingelagert? Worauf wird speziell geachtet? Fragen, die vor Ort geklärt werden und deren Antworten Eltern die Unsicherheit nehmen. Zudem haben wir das Gespräch mit Fachleuten gesucht, die durch ihre Erfahrung Bedenken ausgelöscht haben. Deshalb halte ich es für sehr wichtig, dass man sich beliest und Ärzte konsultiert. Letztendlich müssen die Eltern selbst diese Entscheidung treffen, ob sie diese Investition tätigen wollen oder nicht.
Wie hat denn der Blick hinter die Kulissen ausgesehen?
Es gab erst einmal ein informatives Gespräch, wo allgemein über Stammzellforschung gesprochen wurde. Also, was konnte man zu diesem Zeitpunkt schon mit Nabelschnurblut erreichen? Wo kann es eingesetzt werden? Danach gab es eine Führung durch die Räumlichkeiten, um die Behälter zu sehen, wo das Nabelschnurblut eingelagert wird. Man konnte auch die Laboratmosphäre aufnehmen und sehen, wie das Blut untersucht wird. Uns hat das ein gutes Gefühl gegeben, zu wissen, es geht alles seinen Gang und hier liegt jetzt das ”tiefgefrorene” Nabelschnurblut unseres Kindes.
Zu guter Letzt: Welches Fazit ziehen Sie aus Ihren Erfahrungen?
Da das Thema ”Einlagerung von Nabelschnurblut” immer weiter an Aktualität gewinnt und sich die Forschung bewegt, steigt die Anzahl der Krankheiten, die mit Stammzellen aus Nabelschnurblut behandelt werden können. Insofern sind Eltern im Fall eines Falles nicht die Hände gebunden, sondern sie können etwas Sinnvolles tun und haben das Nabelschnurblut sozusagen in der Hinterhand.
Tags: Einfrieren, Einlagerung, Entnahme, Nabelschnurblut, Nabelschnurblutbank, Stammzellen, Stammzellforschung
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