26. November 2008

Nabelschnurblut - Christian Santos MarcoteInitiative ergreifen – Dieses Motto setzte Michaela Santos Marcote bei der Einlagerung des Nabelschnurblutes ihres Sohnes Christian José in die Tat um. Sie informierte sich während ihrer Schwangerschaft über das Thema und trat mit ihrer Entscheidung, das kostbare Gut konservieren zu lassen, an ihre Frauenärztin heran. Heute ist sie froh, diesen Schritt gegangen zu sein und setzt große Hoffnung in die Forschung rund um den therapeutischen Einsatz des Blutes.

Warum haben Sie sich dazu entschieden, das Blut aus der Nabelschnur Ihres Kindes einlagern zu lassen?
Im Vordergrund stand für mich die Tatsache, dass Nabelschnurblut in der Therapie von Krebserkrankungen eingesetzt werden kann. Mein Großcousin ist vor 18 Jahren an Leukämie gestorben. Als nach langer Suche endlich ein geeigneter Knochenmark-Spender gefunden wurde, war es zu spät – er verstarb an der Krankheit. Damals war die Forschung leider noch nicht so weit fortgeschritten wie heute. Während meiner Schwangerschaft gewann diese negative Erfahrung noch einmal an Brisanz. Denn ich wusste, was meine Tante damals durchgemacht hatte und wollte selbst nicht in die Situation kommen, meinen Sohn zu verlieren. Zudem gab es auch in unserem Bekanntenkreis vor einigen Jahren zwei weitere Fälle von Leukämie. Glücklicherweise konnten beide Kinder geheilt werden, aber ihre Geschichten bewegten mich, da sie in meinem direkten Umfeld passierten.

Wie haben Sie sich zu diesem Thema informiert?

Ich habe während meiner Schwangerschaft in einer Elternzeitschrift von dieser Möglichkeit der Einlagerung erfahren. Mir fiel sofort ein großer Stein vom Herzen, als ich davon las. Ich griff sofort zum Telefonhörer und ließ mich von einer privaten Nabelschnurblutbank beraten. Ein paar Tage später traf das angeforderte Informationspaket mit einer DVD bei mir ein. Ich fand die Informationen sehr interessant. Jedoch stand für mich bereits während des Telefongesprächs fest, dass ich diesen Schritt gehen will. Die Entscheidung fiel mir also besonders leicht. Als ich in Vorbereitung der Geburt noch einige Fragen hatte, rief ich noch einmal bei der Nabelschnurblutbank an. Im Nachhinein erkundige ich mich weiterhin im Internet darüber, welche Fortschritte im Zusammenhang mit dem Blut gemacht werden. Diese sind wirklich enorm. Es wird zum Beispiel von Erfolgen in der Krebstherapie gesprochen. Darüber bin ich besonders froh.

Wie schätzen Sie den Wissenstand in der Bevölkerung zum Thema Nabelschnurbluteinlagerung ein?
Ich habe mich selbständig über Nabelschnurblut und die Möglichkeiten, die seine therapeutische Anwendung bietet, informiert und meine Frauenärztin darüber in Kenntnis gesetzt, dass ich das Infomaterial angefordert habe. Sie war von meiner Initiative angenehm überrascht. Ich bin mir allerdings nicht sicher, warum sie mich nicht selbst auf diese Möglichkeit hingewiesen hat. Und ich kenne auch heute sehr viele werdende Eltern, die nichts darüber wissen. Es scheint so, als würde nicht jeder Frauenarzt über dieses Thema aufklären, beziehungsweise nur wenige Eltern entsprechende Zeitschriften lesen. Ich halte es jedoch für enorm wichtig, das Wissen, das ich mir selbst über das Blut aus der Nabelschnur angeeignet habe, weiterzugeben. Deshalb suche ich das Gespräch mit anderen Eltern, um meine Erfahrungen weiterzugeben. Ich bin von der Einlagerung des Nabelschnurblutes überzeugt. Für mich liegt die Zukunft in der medizinischen Therapie mit Stammzellen.

Haben Sie sich Sorgen über die Entnahme des Blutes gemacht?
Nein, ich habe mir ja im Vorfeld die im Infomaterial enthaltene DVD angesehen. Gedanken über den Entnahmeprozess habe ich mir allerdings erst gemacht, als ich im Krankenhaus ankam und die Geburtswehen einsetzten. Meine größte Sorge war allerdings, ob mein Mann das Entnahmeset auch mit in die Klinik genommen hat. Mir war es wichtig, dass die Einlagerung ohne Zwischenfälle abläuft. Das Klinikpersonal war zu meiner Beruhigung sehr gut vorbereitet. Den Vorgang selbst habe ich dann nicht bewusst miterlebt. In dem Moment der Geburt hatte ich so viele Glücksgefühle, dass die Entnahme des wertvollen Bluts eher nebensächlich war. Die Nabelschnur wurde nach der Geburt sofort abgeklemmt und die Entnahme fand so relativ unbemerkt statt. Ich habe zwar von der Seite aus gesehen, dass die Ärztin etwas mit der Nabelschnur machte, aber nicht genau, was. Erst als das Paket abgeholt wurde, dachte ich darüber nach, ob das Blut wirklich frei von Krankheitserregern gelagert wird und die Anzahl der Stammzellen hoch genug sein würde. Als ich das Zertifikat in der Hand hatte, das mir noch einmal all diese Punkte bestätigte, fiel mir dann ein Stein vom Herzen.

Was würden Sie Müttern empfehlen, die überlegen, das Nabelschnurblut Ihrer Kinder einzulagern?
Sie sollten sich auf jeden Fall die nötigen Informationen einholen. Die Mütter sollten generell vom Ernstfall ausgehen. Denn die Krebsrate bei Kindern ist heute schon erschreckend hoch. Statistiken belegen, dass die Anzahl an Krankheiten enorm zunimmt. Es wurden jedoch bereits zahlreiche Fortschritte in der Forschung rund um das Nabelschnurblut erzielt, sodass heute schon viele Krankheiten therapiert werden können. Die Einlagerung von Nabelschnurblut ist für mich unter diesen Umständen eine Lebensversicherung, genauer gesagt, die Hoffnung auf neues Leben. Denn das Blut bietet gegenüber anderen Quellen von Stammzellen besonders einen Vorteil, seine Verträglichkeit. So gibt es kaum Abstoßungsreaktionen bei der Transplantation eigener Zellen. Fremde Zellen werden dagegen vom Körper nicht immer angenommen. Zudem sind die Stammzellen aus Nabelschnurblut schnell verfügbar und das lange Warten auf einen passenden Spender erübrigt sich.

Wenn Sie noch einmal die Wahl hätten, würden Sie die Spende des Nabelschnurblutes in Erwägung ziehen?
Grundsätzlich sind private Nabelschnurblutbanken meiner Ansicht nach dafür da, das Blut für den eigenen Gebrauch einzulagern. Deshalb würde es für mich auch fiktiv nicht in Frage kommen, es als Spende freizugeben. Da ich bereits durch die Krebsfälle in meiner näheren Umgebung vorbelastet bin, habe ich einfach zu große Angst davor, dass auch mein Kind erkranken könnte und sein wertvoller Lebenssaft dann nicht zur Verfügung stehen würde. Allerdings hätte ich prinzipiell nichts dagegen, mit dem Nabelschnurblut auch anderen Menschen zu helfen, wenn die Zahl der Zellen für den zweifachen Einsatz ausreichen würde. Denn dann bleiben noch genügend Stammzellen für das eigene Kind übrig. Da ich in diesem Bereich jedoch nicht über ausreichende Kenntnisse verfüge, möchte ich mich nicht festlegen.

Welches Fazit würden Sie aus Ihren Erfahrungen mit der Einlagerung von Nabelschnurblut ziehen?
Es ist für mich sehr beruhigend, dass das Blut im Bedarfsfall sofort zur Verfügung steht. Ich verlasse mich jetzt ganz auf die Forschung im Bereich der Stammzellen und hoffe, dass in Zukunft noch mehr Erkrankungen mit ihrer Hilfe behandelt werden können.

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1 Kommentar für “”Ich gebe meine Erfahrungen mit Nabelschnurblut weiter.””

  1. Frank Says:

    Ich habe für meine Zwillinge ebenfalls das nabelschnurblut aufgehoben. Was immer die Zukunft bringt, die Stammzellen haben sie auf jeden Fall sicher. Was die Spende angeht – jeder der will, soll die Stammzellen spenden. Besser als wegwerfen. Ich persönlich würde es nicht tun und habe es auch nicht getan. Da sind mir meine Kinder einfach am wichtigsten.

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