Hätte Familie Liedke bereits bei ihren ersten vier Kindern von der Möglichkeit gewusst, dass Nabelschnurblut eingelagert werden kann, hätten sie die Chance genutzt. Als sie sich bei ihrem fünften Kind für die Aufbewahrung des Nabelschnurblutes entschieden, stießen sie bei ihren Verwandten und Bekannten auf wenig Verständnis. Trotz alledem ließen sie sich nicht von ihrem Vorhaben abbringen und stehen nach wie vor zu dieser Entscheidung.
Wann haben Sie zum ersten Mal davon gehört, dass Stammzellen aus Nabelschnurblut eingelagert werden können?
Das war Ende des Jahres 1999. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich gerade mein viertes Kind zur Welt gebracht. Ich fand es schade, dass ich erst danach – und somit zu spät – von dieser Möglichkeit gehört habe, denn so konnte ich bei meinen ersten vier Kindern nicht davon Gebrauch machen. Doch während meiner fünften Schwangerschaft habe ich mich bei einer privaten Nabelschnurblutbank genau informiert und Isabells Blut einlagern lassen. Wir hoffen, dass wir im Notfall auch unseren anderen Kindern helfen können, wenn sie die Stammzellen für die Therapie einer schweren Krankheit benötigen.
Haben Sie sich noch zusätzlich informiert?
Nein. Dafür gab es zwei Gründe: Zum einen war uns das Informationsmaterial der privaten Nabelschnurblutbank ausreichend und zum anderen wussten damals nur sehr wenige Menschen über dieses Thema Bescheid. Ich habe beispielsweise meinen Frauenarzt und meine Hebamme darauf angesprochen, die zwar davon gehört hatten, sich aber weder positiv noch negativ äußerten. Deswegen mussten wir uns auf unser Gefühl verlassen. Wir waren enttäuscht, dass wir nicht besser informiert wurden.
Also hatten Sie niemanden in Ihrem Bekanntenkreis, mit dem Sie sich über das Thema Nabelschnurblut austauschen konnten?
Nein, nur meine Eltern haben uns unterstützt: Sie waren von Anfang an begeistert und haben die Einlagerung des Nabelschnurblutes von Isabell finanziert. Sonst hätten wir uns das nicht leisten können. Der Rest unserer Verwandten äußerte sich hingegen negativ. Die meisten verstanden nicht, wie wir so viel Geld für etwas ausgeben, das sich vielleicht nicht lohnt. Das Argument, das aus ihrer Sicht nach wie vor gegen die Einlagerung spricht, ist, dass die Menge der entnommenen Stammzellen möglicherweise nicht ausreicht, um eine Krankheit zu behandeln. Wir waren uns aber bereits damals sicher, dass sich in der Forschung noch viel entwickeln kann – auch wenn wir unsere Verwandten und Bekannten bis heute nicht davon überzeugen konnten.
Wie denken Sie heute über Ihren Entscheidungsprozess?
Es war schwer für uns, als sich alle gegen die Aufbewahrung ausgesprochen haben, aber wir würden unsere Entscheidung nicht rückgängig machen. Wir bekommen regelmäßig die Informationsbriefe der privaten Nabelschnurblutbank. Dort erfahren wir aktuelle Neuigkeiten aus der Forschung. Deswegen rate ich auch meinen Kindern, das Nabelschnurblut ihrer Nachkommen ebenfalls einlagern zu lassen, wenn es so weit ist. Sofern ich kann, würde ich sie dabei auch finanziell unterstützen.
Was würden Sie Müttern empfehlen, die überlegen das Nabelschnurblut einzulagern?
Ich finde, es ist wichtig, sich genau zu informieren. Werdende Mütter sollten sich genügend mit dem Thema auseinander setzen, um sich ihre eigene Meinung zu bilden. Während einer Schwangerschaft denken Mütter darüber nach, was das Beste ist, um die Gesundheit des Kindes zu erhalten. Aus dieser Überlegung heraus haben wir uns für die Einlagerung des Nabelschnurblutes entschieden.
Tags: Anwendung, Einlagerung, Nabelschnurblut, Stammzellen
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