30. Juni 2009

Michael schrieb zum Artikel: ”Nabelschnurblut einzulagern, ist eine Vorsorge für die Zukunft”

“Das ist doch alles Quatsch mit dem Nabelschnurblut. Nur Geschäftemacherei. Wer fällt denn auf sowas rein? Siehe: http://www.stern.de/wissenschaft/medizin/:Nabelschnurblut-Gesch%E4ft-Angst/580360.html”

Vielen Dank für Ihren Kommentar. Ihre Grundaussage ist ja recht deutlich. Doch wenn Ihre einzige Informationsquelle dieser beinah zweieinhalb Jahre alte Beitrag aus dem Stern ist, verkennen Sie zweierlei.

Zum einen ist die Stammzellforschung eine vergleichsweise junge Wissenschaft. Natürlich wird in den Anfängen eines neuen Forschungsfeldes zunächst mit Theorien gearbeitet und da zeigen erst die kommenden Jahre, wie sich diese Theorien in der Praxis umsetzen lassen. Und ja, vieles ist noch im experimentellen Stadium. Warum diskreditieren Sie aber all jene Eltern, die auf diese Form der Prävention bauen? Glauben Sie nicht, dass werdende Eltern mündig genug sind, eine gute Entscheidung zu treffen? Wie viele Beispiele zeigen, wie schnell sich Forschungserfolge einstellen können und vorher für unmöglich Gehaltenes plötzlich Realität wird? Blicken wir auf die letzten Jahre zurück, lassen sich immer mehr Beispiele finden, in denen körpereigene Stammzellen, die aus dem Nabelschnurblut gewonnen wurden, zur erfolgreichen Heilung des Patienten eingesetzt wurden. So werden körpereigene Stammzellen aus Nabelschnurblut in den USA schon seit zwei Jahren erfolgreich zur Heilung von frühkindlichen Hirnschäden und zerebraler Kinderlähmung eingesetzt. Zudem bestätigt eine 2007 veröffentlichte Studie aus den USA, dass bei Kindern, die an Typ-1- Diabetes leiden, erste Erfolge durch den Einsatz des eigenen Nabelschnurbluts erzielt werden konnten. Diese Fälle zeigen, dass körpereigenes Nabelschnurblut zur erfolgreichen Therapie eingesetzt werden kann. Abgesehen davon kommen eigene Stammzellen (aus dem Knochenmark) schon seit Jahrzehnten bei vielen Krebserkrankungen zum Einsatz. Warum also nicht in Zukunft die jungen und unbelasteten Stammzellen aus dem Nabelschnurblut dafür nehmen?

Zum anderen üben Sie ja eine recht pauschale Kritik an der Verwendung von Nabelschnurblut indem Sie diese als ”Quatsch” bezeichnen. Selbst in dem der Einlagerung von Nabelschnurblut kritisch gegenüberstehenden Beitrag aus dem Stern wird deutlich, dass Stammzellen aus gespendetem Nabelschnurblut bereits tausendfach transplantiert wurden und Menschen damit geheilt werden konnten. Eine pauschale Ablehnung der Verwendung von Nabelschnurblut ist daher kaum verständlich und wird heute auch kein Experten mehr unterschreiben. Aber möglicherweise unterstützen Sie ja die Spende von Nabelschnurblut und kritisieren ”nur” die private Einlagerung. Wenn Nabelschnurblut gespendet wird, ist dies kostenlos und steht der Allgemeinheit zur Verfügung. Auf diese Weise konnten schon zahlreiche schwer erkrankte Menschen, u.a. mit Leukämie, geheilt werden. Bedenkt man, dass europaweit lediglich bei fünf Prozent aller Geburten das Nabelschnurblut entnommen wird, und jedes Jahr tausende Patienten auf eine Stammzellspende warten, gilt es diese Zahl deutlich zu erhöhen. Dazu wollen wir mit unserem Portal beitragen. Aber es spricht auch Vieles für die private Einlagerung. An dieser Stelle sei der von Ihnen angeführte Stern- Beitrag Quelle der Argumentation: ”Die besten Spender sind enge Verwandte. Bei Geschwistern etwa stimmen die Gewebemerkmale im Blut in einem von vier Fällen überein.” Bei einer privaten Einlagerung können Sie entscheiden, für wenn das Nabelschnurblut bestimmt sein soll. Und die oben genannten Beispiele belegen zudem, dass sich auch heute schon Krankheiten mit den körpereigenen Stammzellen therapieren lassen.

Jedem steht es  frei, sich für oder gegen die Einlagerung von Nabelschnurblut zu entscheiden. Wir als Redaktion möchten aber über dieses noch recht unbekannte Thema aufklären, so dass sich werdende Eltern bewusst entscheiden können. Für die über hundert Kinder, die bis heute mit dem eigenen Nabelschnurblut therapiert wurden und damit eine neue Chance zu leben erhalten haben, ist das wohl alles andere als ”Geschäftemacherei”.

Vielleicht konnten wir Ihnen einen kleinen Überblick über die Erfolge der Nabelschnurbluterforschung und -anwendung geben und Sie ein wenig animieren, sich etwas breiter und tiefer über dieses recht komplexe Thema zu informieren. Wenn Sie wünschen, lassen wir Ihnen unsere Quellen gern separat zukommen, dann können Sie alles in Ruhe nachlesen.

Beste Grüße

Ihr Redaktionsteam

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