6. März 2009

Nabelschnurblut - Maria VossDie Medizinerin und dreifache Mutter Gabriela Voß hat sich für eine Einlagerung des Nabelschnurblutes ihrer jüngsten Tochter Maria entschieden. Damit will sie ihr in Zukunft alle Möglichkeiten einer Behandlung mit Stammzellen offen halten. Die Ärztin glaubt, dass Erkrankungen wie Diabetes, Rheuma oder Stoffwechselleiden in naher Zukunft gezielt therapiert werden können.

Frau Voß, ist Ihnen die Entscheidung, das Nabelschnurblut Ihrer Tochter einzulagern, aufgrund Ihres Berufs leichter gefallen?
Das glaube ich schon. Ich behandle viele Krebspatienten und habe etliche Krankheitsverläufe beobachtet. Mit unseren heutigen Methoden versetzen wir die Patienten in Ausnahmezustände. Gerade bei Tumorleiden besteht eine hohe Sterberate und nur bei einigen Karzinomen kann eine Hochdosis-Therapie mit eigenen Stammzellen angewendet werden. Die Stammzellapherese, also das Absammeln der im eigenen Blut enthaltenen Stammzellen, und die Krebstherapie mit Eigenblut haben inzwischen ihren Platz in der Onkologie gefunden. Allerdings ist heutzutage eine Fremdspender-Transplantation gerade bei Leukämie günstiger, weil eine größere Anzahl Krebszellen zerstört werden kann. Wie Krebsleiden jedoch in Zukunft behandelt werden, das ist noch ein offenes Feld. Als besonders belastend habe ich die Situation in der Kinderonkologie empfunden – das geht einem als Mutter durch und durch. Da ist mir klar geworden, welche Angst ich davor habe, dass meiner Familie das auch mal passieren könnte. Ich musste alles ermöglichen, um meinen Kindern, falls sie einmal in eine solche Situation geraten, dann helfen zu können.

Wie haben Sie von der Möglichkeit erfahren, dass das Blut aus der Nabelschnur eingelagert werden kann?
Als ich 1999 an der Universitätsklinik in Halle hospitierte, habe ich erstmals davon gehört. Es gab Meldungen, dass in Amerika einige Patienten mit Stammzellen aus dem Blut behandelt wurden. Es gab sogar Fälle, in denen Eltern Nachwuchs bekommen haben, um ihr erstes, an einer Immunstörung erkranktes Kind mit Stammzellen aus Nabelschnurblut behandeln zu lassen. Als dann die Möglichkeit der Einlagerung von Nabelschnurblut auch in Deutschland bestand, wollte ich das sofort machen. Nur wusste ich damals nicht, wie und wo. Niemand hat mich beraten und in der Öffentlichkeit war das Thema auch noch nicht präsent. Also ließ ich das Blut meiner ersten beiden Kinder nicht einlagern. Als ich dann mit Maria schwanger war, habe ich eine Nabelschnurblutbank angeschrieben und wurde sofort mit Informationen versorgt. Das ist jetzt über vier Jahre her und ich fühle mich seitdem wesentlich wohler, weil ich weiß, dass ich jetzt eine Art Versicherung für die Zukunft abgeschlossen habe.

Welche Erfahrungen haben Sie mit der Entnahme von Nabelschnurblut gemacht?
Als Medizinerin wird eigentlich immer erwartet, dass man sich selbst um alles kümmert. Das habe ich auch getan, und dennoch ist nicht alles glatt gelaufen. Ich hatte eine Wassergeburt und irgendwie wurde das Blut aus der Nabelschnur dabei mit Bakterien verunreinigt. Ich habe mich mit der Nabelschnurblutbank aber trotzdem darauf geeinigt, es einzufrieren. Im Bedarfsfall muss es dann eben mit Antibiotika versetzt werden.

Geht denn das so einfach?
Ich hoffe es (lacht). Ich glaube nicht, dass die Bakterien durch die Einlagerung einfach absterben. Natürlich gibt es in diesem Fall ein Restrisiko, aber das Nabelschnurblut ist eine so kostbare Versicherung, dass ich das einfach eingehen musste.

Was versprechen Sie sich als Medizinerin von den Entwicklungen in der Therapie mit Stammzellen? Wohin könnte die Reise gehen?
Ich denke, dass chronische Erkrankungen, denen eine Störung des Zellmaterials zu Grunde liegt, behandelt werden können. Zum Teil weiß man heute noch gar nicht genau, was bei manchen Krankheiten die Auslöser oder Mechanismen sind. Vielleicht kann man in Zukunft rheumatologische Erkrankungen, Stoffwechselstörungen oder Zuckerkrankheiten mit Stammzellen aus Nabelschnurblut behandeln. Diese Urzellen können sich schließlich vielseitig entwickeln. Aus ihnen können ebenso Muskel- wie Blutzellen werden. Wir müssen nur noch weiter daran arbeiten, sie in die gewünschte Richtung zu bringen. Ich sehe dieses Forschungsfeld keineswegs als Sackgasse an, sondern als große Chance für die Menschheit.

Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute.

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