8. Dezember 2008

Nabelschnurblut - Sarah und Nina MeileNabelschnurblut enthält wertvolle und einzigartige Stammzellen, die einem Kind bei einer schweren Erkrankungen die Chance auf einen gesundheitlichen Neuanfang bieten. Deswegen entscheiden sich immer mehr Eltern dafür, das Blut aus der Nabelschnur ihrer Kinder aufzubewahren. Aber auch persönliche Erfahrungen oder Erlebnisse von Bekannten spielen eine Rolle, wie das Beispiel von Markus und Bettina Meile aus Ködnitz zeigt.

Warum haben sie sich dazu entschieden, das Nabelschnurblut ihrer Zwillinge einzulagern?
Ich habe kurz von der Geburt eine Freundin besucht: Deren Kind – gerade in die Schule gekommen – war mit fünfeinhalb Jahren an jugendlichem Diabetes erkrankt. Wir waren wirklich geschockt, dass so eine Krankheit von heute auf morgen plötzlich auftritt. Dank einer Vielzahl von Informationen stellten wir fest, dass es für viele Erkrankungen gute Heilungschancen mit Hilfe der Stammzellen aus Nabelschnurblut gibt. Während meiner Schwangerschaft habe ich mich in den Broschüren einer privaten Blutbank zu diesem Thema kundig gemacht. Als ich dann meinem Mann davon erzählte, haben wir gemeinsam beschlossen, das Blut von unseren Zwillingen einlagern zu lassen.

Wo haben Sie das erste Mal davon gehört, dass Nabelschnurblut eingelagert werden kann?
Ich habe Broschüren bei meinem Gynäkologen gelesen und dort erste Informationen zur Einlagerung erhalten. Als ich während der Schwangerschaft für eine Untersuchung und zu einem 3D-Ultraschall in die Klinik musste, habe ich auch dort noch weitere Hintergrundinformationen zur Einlagerung bekommen.
Der ausschlaggebende Punkt war allerdings die Erfahrung mit dem Sohn unserer Bekannten. Außerdem hatte mein Großvater zur gleichen Zeit einen Schlaganfall und diese Patienten werden ebenfalls mit Stammzellen behandelt. Es waren also die persönlichen Erlebnisse mit diesen schlimmen Krankheiten, die uns dazu ermutigt haben, das Blut aus der Nabelschnur unserer Kinder aufzubewahren.

Gab es von Ihrer Seite aus auch Bedenken in Bezug auf die Entnahme des Nabelschnurblutes?
Wir haben uns keine Sorgen gemacht – aber die Menschen um uns herum. Als wir von der Einlagerung erzählten, haben unsere Bekannten und Verwandten gedacht, es würde sich um Genmanipulation handeln. Viele Leute kannten sich nicht aus und dachten dann: Oh Gott, was macht ihr? Wir haben ihnen dann erklärt, dass es sich um die Entnahme von Blut handelt,  das tiefgekühlt wird und bei späteren Krankheitsfällen eingesetzt werden kann.

Haben Sie die Entnahme bewusst erlebt?
Ja, ich hatte einen Kaiserschnitt und war während der Geburt bei vollem Bewusstsein. Viele Ärzte waren um mich herum – darunter auch ein Gynäkologe, der von einer privaten Nabelschnurblutbank geschult wurde. Mit einer Krankenschwester zusammen hat er sich nach der Geburt nur um die Entnahme des Blutes gekümmert. Dabei wurde es sogar etwas amüsant, als der Arzt uns nach der Geburt des ersten Kindes fragte, wie es denn eigentlich heißen soll. Doch darüber waren wir uns noch gar nicht einig! Der Gynäkologe benötigte aber den Namen, um das Blutpräparat dem richtigen Zwilling zuordnen zu können.

Und wie ging es dann weiter?
Wir haben nach ein paar Wochen einen Bescheid bekommen, dass das Blut von einem unserer Kinder nicht eingelagert werden sollte, da es zu wenige Stammzellen enthielt. Das bedeutet, die Menge ist bis zu einem Alter von sieben Jahren ausreichend, für eine spätere Anwendung ist die Anzahl der Zellen jedoch zu gering. Trotz alledem haben wir das Nabelschnurblut einlagern lassen. Mein Mann fürchtete, dass unser Kind auch in frühen Jahren an einer schlimmen Krankheit leiden könnte. Wenn die Kleinen einmal krank werden, dann sollen sie beide die Chance auf eine Behandlung haben.

Was würden Sie Müttern empfehlen, die darüber nachdenken, das Blut aus der Nabelschnur einlagern zu lassen?
Sie sollten sich überlegen, welche Krankheiten auf diesem Weg geheilt werden können und welche Verwandten vielleicht aktuell betroffen sind. Wenn einer unserer Elternteile einen Schlaganfall erleidet und es wirklich akut wird, können wir sagen: ”Moment mal, wir haben Stammzellen eingelagert. Wie wäre das? Wollen wir das nicht versuchen?” Wir können somit alle Möglichkeiten in Erwägung ziehen, um unseren Eltern zu helfen. Auch dafür sind die Zellen aus dem Nabelschnurblut gedacht, denn bei verwandten Stammzellen liegt die Chance auf Heilung zehn Mal höher als bei Fremden.

Welches Fazit ziehen Sie aus Ihren Erfahrungen mit der Einlagerung des Blutes?
Es ist im Endeffekt dasselbe wie eine Lebensversicherung: Man zahlt ein und hofft im Grunde, dass man später nicht auf die Stammzellen angewiesen ist. Ich bin froh, dass ich mich für die Einlagerung entschieden habe.

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