10. Januar 2011

Nathalie ist eines der ersten Kinder, deren Nabelschnurblut eingelagert wurdeTania Stüve-Beißmann (44) nutzte als eine der ersten schon 1999 für ihre heute elfjährige Tochter Nathalie die Möglichkeit, bei der Geburt die Stammzellen aus der Nabelschnur aufzubewahren. Im Interview berichtet sie über ihre Erfahrungen und die Neugierde, die die Nabelschnurblutentnahme unter den Studenten in dem Uniklinikum auslöste, in der sie ihre Tochter zur Welt brachte.


Frau Stüve-Beißmann, im Jahr 1999 steckte die Nabelschnurblutaufbewahrung in Deutschland noch in den Kinderschuhen. Wie sind Sie damals auf das Thema gestoßen?

Ich habe damals eine Anzeige in einer Zeitung gelesen. Ich erinnere mich, dass eine Postkarte in der Zeitschrift war, mit welcher man sich Infomaterial für die Nabelschnurbluteinlagerung bei unserer Stammzellbank zusenden lassen konnte. Als ich mir den Ratgeber gemeinsam mit meiner Mutter angesehen habe, meinte sie zu mir, dass man eigentlich gar nicht anders kann, als die Einlagerung zu machen, wenn man einmal davon weiß. Womit sie meiner Meinung nach Recht hat.


Haben Sie auch mit Ihrem Frauenarzt über die Nabelschnurblut-Einlagerung gesprochen?

Ich habe mich bei verschiedenen Ärzten erkundigt. Diese kannten das Thema zum größten Teil nicht, fanden aber insgesamt gesehen die Idee gut. Eine Ärztin hat mir auch einen Tipp gegeben, wo man sich erkundigen kann, ob unsere Nabelschnurblutbank ein seriöses Unternehmen ist. Letztendlich haben wir uns für die Einlagerung entschlossen.


Hätten Sie sich damals eigentlich noch mehr Informationen gewünscht oder fühlten Sie sich ausreichend informiert?

Nein, die Informationen waren damals schon ausreichend, man wusste wie es funktioniert, woran geforscht wird und für was es bereits eingesetzt wird. Man hat einfach nur gemerkt, dass dieses Thema noch nicht so bekannt ist.


Haben Sie sich im Vorhinein in der Klinik erkundigt, wie dort die Entnahme abläuft?

Nein, nachdem wir den Vertrag für die Nabelschnurbluteinlagerung unterschrieben haben, erhielten wir ein Entnahmeset nach Hause. Da Nathalie per Kaiserschnitt zur Welt kam, wussten wir auch genau wann der Entbindungstermin ist und konnten das Paket bereits vorher in der Klinik abgeben.


Erinnern Sie sich noch an Nabelschnurblutentnahme?

Die Entnahme des Blutes hat problemlos funktioniert. Das einzige was ich gemacht habe, war das Set bei meinem Vorgespräch abzugeben und den Arzt darüber zu informieren, dass Nabelschnurblut entnommen werden soll. Den Rest hat der Arzt selbst in die Hand genommen. Als ich schon halb in Narkose war, habe ich mitbekommen, dass im Gang viele Studenten zusammenkamen. Ich habe im Krankenhaus Böblingen entbunden, welches zur Uni Tübingen gehört. Damals war diese Art der Stammzellentnahme noch recht unbekannt und somit war das Interesse vor allem unter den Studenten groß. Ich nehme an, dass diese im Nebenraum saßen und die Entnahme per Video gesehen haben. Ich selbst habe auch gar nicht mitbekommen, dass jemand kam und das Blut abgeholt hat. Später habe ich dann Post von unserer Nabelschnurblutbank erhalten, dass die Einlagerung erfolgreich verlaufen ist.


Was bedeutet es eigentlich heute für Sie, dass Sie das Nabelschnurblut von Nathalie aufbewahrt haben?

Es ist für mich eine innerliche Beruhigung. Mittlerweile liest man auch immer wieder in Magazinen von den neuesten Forschungserfolgen und was bereits alles mit den Nabelschnurblut-Stammzellen behandelt werden kann. Das ist mittlerweile auch schon mehr als man damals gedacht hätte.


Verfolgen Sie die Entwicklungen auf dem Gebiet der Stammzellforschung weiter?

Ja, wenn ich einmal etwas lese, klar. Ich lese nicht ständig medizinische Zeitschriften, aber wenn ich auf so etwas stoße, dann interessiert es mich natürlich. Aber im Wesentlichen informiere ich mich über die Zeitschrift unserer Stammzellbank. Die Beiträge bestätigen mich darin, dass wir das Richtige gemacht haben. Man hofft natürlich, dass man die Stammzellen für Nathalie nie braucht, aber das Stammzelldepot gibt einem ein beruhigendes Gefühl. Man hat die eigenen Stammzellen seines Kindes in der Hinterhand, falls es zu solch dramatischen Erkrankungen wie z.B. Krebs kommen sollte.


Reden Sie heute manchmal mit anderen Schwangeren über das Thema?

In meiner Altersklasse ist eigentlich niemand mehr schwanger. Somit habe ich wenig Kontakt zu Leuten, für die das Thema interessant wäre. Ich arbeite bei der Debeka, das ist eine private Krankenversicherung, die eine Kooperation mit unserer Nabelschnurblutbank hat. Ich habe zwar Infoprospekte in meinem Büro liegen, aber es ist in meinem Beruf relativ schwierig, Leute auf dieses Thema hinzuweisen. Die meisten Kunden rufen erst dann an, wenn das Kind schon auf die Welt gekommen ist. Ich bekomme das zunächst meist gar nicht mit, dass eine Kundin schwanger ist. Aber wenn, dann spreche ich natürlich nur positiv über das Thema, das ist klar.


Gibt es etwas, was Sie an werdende Eltern weitergeben möchten?

Ich denke, man fordert sich Informationsmaterial an und dann muss es jeder für sich ganz persönlich entscheiden. Viele sagen natürlich, dass ihnen die Einlagerung zu teuer sei, aber das ist dann Ansichtssache. Als ich damals gesehen habe, dass es diese Möglichkeit gibt, gab es für mich eigentlich gar keine Alternative. Ich möchte nicht, dass später vielleicht einmal eine Krankheit auftritt und ich mich schwarz ärgere, dass ich die Chance hatte, die Stammzellen einzulagern, sie aber nicht genutzt habe.


Ich danke Ihnen für das sehr interessante Interview und wünsche Ihnen alles Gute.

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Eine Nabelschnurblutentnahme als kleine Sensation, 1.4 out of 5 based on 5 ratings

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