anne-marie-reinhold-220Angela Reinhold aus Bockau plädiert im Interview mit nabelschnurblut-4you für mehr Aufklärung zum Thema Nabelschnurbluteinlagerung. Sie glaubt, wenn werdende Eltern besser Bescheid wüssten, würden auch mehr das Nabelschnurblut ihrer Kinder aufbewahren – so wie sie es für ihre Tochter Anne-Marie getan hat.

Frau Reinhold, Ihre Tochter Anne-Marie ist heute schon fünf Jahre alt. Wie haben Sie denn die ersten Jahre mit ihr erlebt?
Das lief eigentlich alles super. Nur mit etwa eineinhalb Jahren hatten die Ärzte den Verdacht, dass sie Rotaviren haben könnte, weswegen sie eine Woche ins Krankenhaus musste. Sie hat sogar am Tropf gehangen. Der Verdacht hat sich dann aber zum Glück nicht bestätigt und heute ist sie gesund und munter.

Jetzt, wo Ihre Kleine ein gesundes Mädchen ist, bereuen Sie die Entscheidung, das Nabelschnurblut eingelagert zu haben?
Nein, auf keinen Fall.

Wie sind Sie denn überhaupt auf das Thema aufmerksam geworden?
Vor fünf Jahren war das ja noch nicht so präsent wie heute. Wir haben in unserer IVF-Praxis davon erfahren. Unsere Tochter ist ja durch künstliche Befruchtung entstanden und gleich beim ersten Beratungsgespräch in der Praxis sind wir auf das Thema Nabelschnurbluteinlagerung angesprochen worden. Wir haben uns das Informationsmaterial zu Hause in Ruhe angeschaut, uns genau informiert, wofür das Nabelschnurblut gut ist und wie hoch die Kosten für eine solche Einlagerung sind.

Haben Sie sich denn ausreichend informiert gefühlt?
Schon. Die wenigen Fragen, die noch offen geblieben waren, haben wir in unserer Klinik geklärt.

Und wie ist die Entscheidung dann letztlich gefallen?
Als die zweite künstliche Befruchtung geklappt hat und ich schwanger wurde, ist mein Mann schwer krank geworden. Da stand es für uns fest: das Nabelschnurblut wird sicher eine große Hilfe sein, wenn einmal etwas mit Anne-Marie sein sollte.

Also hat die Krankheit Ihres Mannes den Ausschlag gegeben?
Ja, ich denke schon, dass wir dadurch vielleicht sensibler waren, als andere Eltern.

Erinnern Sie sich noch, wie dann alles abgelaufen ist?
Sehr reibungslos. Ein paar Wochen vor dem Geburtstermin haben wir das Päckchen für die Entnahme bekommen, das wir in der Klinik abgegeben haben, so dass die auch Bescheid wussten. Bei der Geburt selbst war für uns nur unser Kind wichtig, so dass wir von der Entnahme auch nichts mitbekommen haben. Als es dann etwas ruhiger wurde, haben wir uns erkundigt, ob alles geklappt hat. Da war das Paket mit dem Nabelschnurblut auch schon abgeholt worden.

Hatten sie seitdem noch einmal Kontakt mit der Nabelschnurblutbank?
Nachdem das Nabelschnurblut von Anne-Marie eingelagert war, haben wir einen Brief bekommen, in dem uns bestätigt wurde, dass alles geklappt hat. Das war alles wirklich gut organisiert. Und wir bekommen regelmäßig Informationen über neue Behandlungsmöglichkeiten zugeschickt, die wir immer interessiert lesen.

Sie halten sich also auf dem Laufenden. Was wünschen Sie sich denn für die Zukunft?
Ich hoffe, dass immer weiter geforscht wird, damit man mit dem Nabelschnurblut noch viel mehr machen kann. Das ist einfach eine gute Sache und ich finde es schade, dass viele werdende Eltern darüber noch gar nicht so richtig Bescheid wissen. Denn man kann so viel Gutes damit tun. Ich hoffe auch, dass Anne-Marie, wenn sie dann erwachsen ist und selbst darüber entscheiden kann, was mit ihrem Nabelschnurblut passieren soll, es weiterlagert. Vielleicht kann sie damit sogar später einmal anderen Menschen helfen.

Können Sie sich denn auch vorstellen, das Nabelschnurblut Ihrer Tochter als Spende für einen anderen Menschen abzugeben?
Wir haben das erstmal nur für unsere Tochter gemacht. Wenn sie dann erwachsen ist, wird sie den richtigen Weg finden.

Sie sagten, Sie finden es schade, dass andere Eltern zu wenig über das Thema Nabelschnurbluteinlagerung wüssten. Sprechen Sie denn im Familien- und Freundeskreis darüber?
Ja, wir sprechen das Thema im Verwandten- und Bekanntenkreis schon an und erzählen, dass wir das Nabelschnurblut für Anne-Marie haben einlagern lassen, weil wir das für eine gute Sache halten. Manche können es sich finanziell nicht leisten. Bei manchen habe ich aber auch das Gefühl, dass es ein Tabu-Thema ist.

Ein Tabu-Thema?
Ja, manche wollen davon gar nichts wissen. Die blocken ab, wenn wir sie auf das Thema ansprechen.

Was glauben Sie denn, woran das liegt?
Wahrscheinlich ist es einfach noch zu unbekannt. Im Fernsehen oder in Zeitschriften sieht man zwar Werbung von Nabelschnurblutbanken aber das ist eben alles sehr oberflächlich. Vielleicht hätten wir uns auch anders entschieden, wenn wir nicht so ausführlich beraten worden wären.

Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute!

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