Nabelschnurblut - Selina Emilia Leilani LudwigSylvia und Roman Ludwig haben sich entschieden, das Nabelschnurblut ihrer Tochter Selina Emilia Leilani einzulagern. Denn: Sie sind sich sicher, dass in den Stammzellen noch viel Potenzial steckt. Die Familie glaubt fest daran, dass sich künftig Möglichkeiten in der Medizin entwickeln, die heute noch undenkbar sind.

Warum haben Sie sich dazu entschieden, das Blut aus der Nabelschnur Ihrer Tochter einlagern zu lassen?
Sylvia Ludwig: Einerseits ist es eine gute Vorsorge. Andererseits hoffen wir, dass wir die Stammzellen aus dem eingelagerten Blut nie benötigen werden. Bisher ist das eigene Nabelschnurblut zwar nur bei etwa 200 Kindern eingesetzt worden, aber das kann sich in den nächsten Jahren noch ändern.

Herr Ludwig, denken Sie, dass Sie als Arzt eine andere Entscheidung treffen als Eltern, die nicht über Fachwissen verfügen?
Roman Ludwig: Ich glaube, es geht weniger um Fachwissen, als um das allgemeine Interesse an der Stammzellforschung. Nach dem bisherigen Fortschritt ist es wahrscheinlich, dass in den nächsten zehn bis 20 Jahren noch viele Neuerungen auf uns zukommen: Beispielsweise hatten die Menschen vor 150 Jahren Angst, mit ihrem Auto schneller als 80 km/h zu fahren, weil sie dachten, dass es dem Körper schadet. Heute sieht das ganz anders aus. Diese Erfahrungen zeigen, dass auch in Zukunft viele Dinge möglich sein werden, die wir uns heute noch nicht vorstellen können. Deswegen möchte ich meiner Tochter die Möglichkeit bieten, irgendwann von den Stammzellen aus ihrem Nabelschnurblut Gebrauch zu machen, falls es nötig ist.

Wie haben Sie davon erfahren, dass man das Blut einlagern lassen kann?
Roman Ludwig: Ich hatte schon vor ein paar Jahren von der Möglichkeit gehört, dass es eingelagert werden kann. Zum einen sind Patienten an mich herangetreten und haben mich danach gefragt. Zum anderen durch einen Freund, der damals selbst in der Forschung war. Er hatte bereits zu jenem Zeitpunkt die Idee, Menschen anzubieten, das Blut ihrer Kinder einlagern zu lassen. Das ist über zehn Jahre her. Meines Wissens nach gab es zu diesem Zeitpunkt noch keine Nabelschnurblutbanken in Deutschland und das Thema der Einlagerung war noch nicht so präsent. Ich wusste also schon länger von der Möglichkeit der Einlagerung, aber durch die Geburt unserer Tochter wurde sie uns noch einmal vor Augen geführt.

Sylvia Ludwig: Ich habe durch Bekannte von der Möglichkeit gehört. Daraufhin rief ich im Krankenhaus an, um zu erfahren, mit welcher Nabelschnurblutbank dort zusammen gearbeitet wird. Wir haben uns dann auch sehr schnell für eine Nabelschnurblutbank entschieden.

Haben Sie sich noch andere Informationen eingeholt?
Roman Ludwig: Wir haben uns in der Fachpresse weiter informiert. Einige Kritiker sind der Meinung, dass die eigenen Stammzellen aus Nabelschnurblut nicht zur Therapie von Leukämie geeignet sind und lieber fremde Stammzellen verwendet werden. Wir haben uns trotz dieser Kritik für die Einlagerung entschieden, denn wir glauben, dass bei vielen anderen Erkrankungen die eigenen Stammzellen besser sind.

Sollten private Nabelschnurblutbanken auf die Kritikpunkte zur Verwendung von Nabelschnurblut eingehen?
Roman Ludwig: Ja, meiner Meinung nach ist es eine Sache, die erwähnt werden sollte. So werden die Informationen für die Menschen zusätzlich noch transparenter. Wenn die Interessenten bereits von der privaten Nabelschnurblutbank etwas über die Kritikpunkte erfahren, dann sind sie wahrscheinlich weniger verunsichert, wenn Dritte sie darauf ansprechen. Ich glaube sogar, es würde helfen, dass sich mehr Menschen für die Aufbewahrung entscheiden.

Haben Sie sich Sorgen oder Gedanken über die Entnahme des Nabelschnurblutes gemacht und wie haben Sie diese erlebt?
Sylvia Ludwig: Ich habe mir gar keine Sorgen gemacht und dem Klinikpersonal vollkommen vertraut. Von der Entnahme während meines Kaiserschnittes habe ich nichts mitbekommen, denn als ich meine Tochter zum ersten Mal gesehen habe, waren die Geschehnisse um mich herum nicht mehr wichtig.

Roman Ludwig: Ich war während der Geburt mit im Kreissaal dabei und habe auch nichts von der Entnahme mitbekommen. Für mich war es das Wichtigste, den ersten Schrei zu hören und unsere Tochter zu sehen. Alles andere war in diesem Moment unwichtig für mich.

Was würden Sie Eltern empfehlen, die überlegen das Blut aus der Nabelschnur ihrer Kinder einlagern zu lassen?
Roman Ludwig: Werdende Eltern sollten sich überlegen, ob sie das Geld für die Aufbewahrung der Stammzellen aufbringen wollen, denn ich denke, man sollte keine zusätzliche Belastung auf sich nehmen. Wenn das Geld aber vorhanden ist, dann ist es meiner Meinung nach eine bessere Vorsorge als die Aufstockung einer normalen Versicherung.

Tags: , ,

 

1 Kommentar für “Die Forschung mit Nabelschnurblut wird noch viel möglich machen”

  1. Nabelschnurblut: Experten im Gespräch » “Nabelschnurblut? Ideale Forschungsobjekte.” Says:

    [...] halten Sie persönlich von der Einlagerung von Nabelschnurblut? Die Langzeitaufbewahrung von Nabelschnurblut ist grundsätzlich zu begrüßen. Denn bei [...]

Kommentar schreiben