8. August 2011

Fünfte Nabelschnurblut-Einlagerung-Fam.VölkerMandy und Thomas Völker aus Oelsnitz im sächsischen Vogtland haben im Juli ihr fünftes Kind bekommen. Auch für die Kleinste haben sie – wie auch schon für die anderen vier Töchter – das Nabelschnurblut konservieren lassen. Vater Thomas spricht im Interview über das Leben zu siebt und ihre Gründe für die Nabelschnurblut-Einlagerungen. Für die Familie steht fest: Ein Urlaub oder ein großes Auto sind unwichtig im Vergleich zu einer lebenslangen Gesundheitsvorsorge für ihre Kinder.


Herr Völker, wie ist das Familienleben mit fünf Kindern? Haben Sie sich gut eingelebt? Was sagen die vier Großen zur kleinen Schwester?

Theresa Marie ist ein Wunschkind, und die Umstellung von „vier“ auf „fünf“ war absolut problemlos. Wir hatten zunächst etwas Angst, ob wir nach vier Jahren wieder in die Routine kommen würden – alle drei bis vier Stunden füttern, windeln usw., doch es hat alles prima geklappt. Ist irgendwie wie Fahrradfahren. Die Großen nehmen Ihre kleine Schwester sehr bewußt wahr, für sie ist es ein Wunder. Manchmal sitzen sie einfach nur da und beobachten die Kleine beim Schlafen.

 

Sie haben das Nabelschnurblut bei allen Kindern aufbewahrt? Was waren für Sie die ausschlaggebenden Gründe? Gab es auch Gründe, die dagegen gesprochen hätten?
Wir haben kurz nachdem meine Frau mit unserer ersten Tochter schwanger war das erste Mal davon erfahren, daß die Möglichkeit der Einlagerung von Nabelschnurblut besteht. Informationen dazu waren schnell gefunden und für uns war sofort klar, daß wir diese Möglichkeit der Vorsorge nutzen wollten. Auch wenn damals noch nicht so viele Therapien erforscht und anwendungsreif waren, so erkannten wir doch schnell das Potential: die medizinische Entwicklung schritt zügig voran und schon damals war absehbar, daß eine ganze Reihe von bisher schwer heilbaren Erkrankungen mit Hilfe von Stammzellen geheilt werden könnten.


Viele Eltern entscheiden sich aus finanziellen Gründen gegen eine  Nabelschnurbluteinlagerung fürs eigene Kind. Haben Sie einen Tipp? Wie haben Sie das für Ihre fünf Kinder hinbekommen?

Wir haben die Kosten für die Einlagerung stets als Versicherung gesehen: aufgeteilt auf die Lebenszeit unserer Kinder, für die wir verantwortlich sind. Über 18 bis 20 Jahre, ist der Betrag pro Kind absolut vernachlässigbar. Durch die Möglichkeit einer Finanzierung wurden auch die monatlichen Belastungen in Grenzen gehalten. Letztlich muß man eben entscheiden, was wichtiger ist,  ein größeres Auto, oder die absolut vorhandene Chance, schlimme Krankheiten bei den eigenen Kindern behandelbar zu machen.


Was bedeutet es für Sie, für alle Ihre Kinder ein Stammzelldepot zu haben?

Wir sehen das Stammzellendepot als eine Art Versicherung – für Krankheiten, die eben ohne Stammzellen nicht oder nur sehr schwer heilbar wären . Schon wenn später eine schmerzhafte und langwierige Extraktion [Entnahme von Stammzellen aus dem Knochenmark, Anm. d. Red.] verhindert werden kann, schon dann hat sich der Zweck erfüllt. Sicherlich erhöht sich mit jeder Einlagerung unserer Kinder die Möglichkeit, später auch für Geschwisterkinder ohne eingelagertes eigenes Nabelschnurblut Hilfe im Bedarfsfall zu finden. Aber was wäre gewonnen, wenn wir darauf verzichten würden? Ein zweiwöchiger Urlaub? Mit welcher Alternative: unheilbarer Krebs? Wenn man von der Sinnhaltigkeit der Einlagerung von Nabelschnutblut überzeugt ist – und das sind wir, dann ist die Realisierung lediglich eine Frage der Prioritätssetzung. Ist der Urlaub wichtiger, der nach zwei Wochen vorbei ist, oder die mögliche Krebstherapie, deren Erfolg Jahre sichtbar ist? Es mag vielleicht polemisch sein, die Frage auf diese kurze Formel zu reduzieren, jedoch wird es genau diese Art von Überlegungen sein, die im Bedarfsfall bestimmend sind.


Hätten Sie sich auch vorstellen können, für einen anderen Menschen
das Nabelschnurblut zu spenden?
Da für uns von vornherein klar war, daß wir das Blut für unsere eigenen Kinder einlagern lassen wollen: nein. Wäre uns dies jedoch finanziell nicht möglich gewesen, dann hätten wir dies auch gespendet. Ich denke, daß die grundlegende Frage eher sein sollte, ob nicht grundsätzlich, sofern keine Verfügung wegen eigener Verwendung besteht, derartige Zellen aufbereitet werden sollten. Im Gegensatz z.B. zur Organspende, für die eine Zwangsverpflichtung schon im Gespräch war, kann ich mich nicht an eine entsprechende Diskussion hinsichtlich der Requirierung  von Nabelschnurblut erinnern.


Sprechen Sie im Bekannten- und Freundeskreis über das Thema Nabelschnurblut-Einlagerung? Wie sind da die Meinungen?

Ja, tun wir. Die sind überwiegend derselben Meinung. Wir wissen von drei Fällen aus dem engeren Bekanntenkreis, die ebenfalls das Nabelschnurblut eingelagert haben – die wußten vor unserer ersten Tochter davon definitiv nichts.


In Zeitungen liest man manchmal, dass die Nabelschnurblutbanken ein Geschäft mit der Angst der Eltern machen würden. Wie stehen Sie zu dieser Aussage?

Es gehört zur „Culture of Critique“ im Westen, alles zunächst schlechtzureden. Es ist genaugenommen kein Geschäft mit der Angst der Eltern, sondern mit der Hoffnung der Eltern – und dagegen spricht überhaupt nichts. Denn das Geschäft ist für die Eltern freiwillig – und am Ende muß jeder selbst einschätzen, ob er im Extremfall seinem Kind Heilung von einer todbringenden Krankheit ermöglichen möchte. Die Frage, die man solchen Polemikern stellen sollte, ist, inwieweit sie auch Versicherungen als Geschäft mit der Angst der Menschen ansehen – wobei hier noch der Unterschied besteht, daß Versicherungen jedes Problem versuchen mit Geld zuzudecken und nicht, wie bei der Einlagerung von Nabelschnurblut, das Problem an der Wurzel packen.


Was würden Sie werdenden Eltern raten, die noch überlegen, ob sie das Nabelschnurblut bei der Geburt für ihr Kind aufbewahren beziehungsweise spenden sollen?

Wir würden raten, das Nabelschnurblut selbst einzulagern. Wenn dies aus irgendeinem Grund nicht in Frage kommt, dann, das Nabelschnurblut zu spenden. Die Nichtnutzung und Entsorgung ist aus unserer Sicht die schlechteste Option.


Vielen Dank für das Interview.

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