Silke Meschke ist Mutter von drei Kindern. Für die beiden jüngsten, Lea und Luisa, hat sie das Nabelschnurblut eingelagert. Bei Sohn Peter, der 1997 geboren wurde, gab es die Möglichkeit der Nabelschnurbluteinlagerung noch nicht – was Sohn und Mutter gleichermaßen bedauern.
Sie sind 2000 noch eine Art Vorreiterin in Sachen Nabelschnurbluteinlagerung gewesen. Wie sind Sie damals auf das Thema aufmerksam geworden?
Als ich mit Lea 2000 schwanger war, habe ich darüber in einer Zeitung gelesen. Ich habe bei einem Anbieter angerufen und mir dann Infomaterial zuschicken lassen. Ich habe mit meinem Mann alles genau durchgelesen, wir haben uns besprochen und dann gesagt „das machen wir“.
Dann fiel die Entscheidung ja ziemlich schnell…
Ja, es war aber auch ziemlich knapp geworden. Ich war ja schon weit über die 20. Woche hinaus. Aber dann lief alles problemlos: Erst der Vertrag, dann kam auch schon das Päckchen fürs Krankenhaus. Als ich mich im Kreissaal angemeldet habe, habe ich schon gesagt, dass wir das Nabelschnurblut entnehmen lassen wollen.
Haben Sie vor Ihrer Entscheidung auch noch mit Ihrem Gynäkologen gesprochen?
Ja, ich hatte auch mit meiner Frauenärztin gesprochen. Aber ich hatte das Gefühl, dass die Frauenärzte damals noch nicht so viel darüber wussten. Das Infomaterial von der Nabelschnurblutbank hat mir da mehr geholfen.
Haben sich ausreichend informiert gefühlt?
Ja.
Was waren jetzt letztendlich die Gründe, dass Sie sich dafür entschieden haben, das Nabelschnurblut für Lea einzufrieren?
Ich arbeite selbst im medizinischen Bereich im Krankenhaus. Ich hab das als Vorsorge für Lea gesehen. Wenn in späteren Jahren mal irgendwas ist, ist das Nabelschnurblut da. Es ist eine Chance, zu helfen und Krankheiten zu heilen. Ich sehe das wie eine Art Versicherung, die ich Lea mitgebe.
Haben Sie eigentlich mehrere Nabelschnurblutbanken verglichen?
Nein. 2000 haben wir Leas Nabelschnurblut bei Vita 34 eingelagert und als ich dann mit Luisa schwanger war, haben wir gesagt, dass wir das wieder machen.
Warum haben Sie auch für Luisa das Nabelschnurblut eingefroren?
Weil ich es eine tolle Sache finde, muss ich ganz ehrlich sagen. Die Medizin geht immer weiter. Man kann ja gar nicht sagen, was in 30 Jahren mit Nabelschnurblut möglich sein wird. Man hat nur diese eine Chance, es dem eigenen Kind mitzugeben und da war das eigentlich von vorneherein klar, dass wir das auch für Luisa machen.
Wenn es bei Peter schon möglich gewesen wäre, hätten Sie sein Nabelschnurblut auch aufbewahrt?
Ja. Er sagt immer traurig „Bei mir hast Du das nicht gemacht.“ Aber leider gab es die Möglichkeit damals noch gar nicht.
Das heißt, die Kinder wissen darüber Bescheid?
Die Kleine noch nicht, aber Lea und Peter wissen es.
Wie haben Sie ihnen das erklärt?
Wir hatten eine DVD von unserer Nabelschnurblutbank bekommen. Die habe ich mit den Kindern angeschaut.
Und das haben sie verstanden?
Ja klar. Peter war ja damals schon fast 10 und Lea war 6. Wir haben die DVD auch nicht nur einmal geguckt, sondern die Kinder wollten sie auch ein zweites und drittes Mal sehen. Ich glaube, es ist für sie einfach sehr interessant, wie ein Kind auf die Welt kommt. Peter hatte das schon in der Schule, aber für Lea war es schon interessant, als ich mit Luisa schwanger war. Sie hatte das ja im Gegensatz zu Peter noch nicht miterlebt.
Wie lief es dann eigentlich im Kreissaal? Haben Sie von der Nabelschnurblut-Entnahme etwas mitbekommen?
Das ging alles ganz problemlos. Ich hatte ja auch angekündigt, dass die Nabelschnurblutentnahme gemacht wird. Bei Lea hatten mich die Schwestern noch gefragt, warum ich das mache, denn ich war damals wohl die Einzige im Krankenhaus. Aber als ich Luisa entbunden habe, war es schon fast Routine. Bei ihr habe ich dann noch mitbekommen, dass das Blut vom Kurier aus dem Kreissaal abgeholt worden ist.
Mittlerweile gibt es die Möglichkeit, das Nabelschnurblut für sein eigenes Kind einzulagern und es gleichzeitig als Spende anzubieten. Wenn also irgendjemand auf der Welt dieses Nabelschnurblut brauchen könnte, würden Sie als Eltern gefragt, ob Sie es freigeben möchten. Wenn es das zur Geburt Ihrer beiden Töchter bereits gegeben hätte, wäre das für Sie ein Gedanke gewesen?
Bis meine Kinder 18 Jahre alt sind, würde ich es in jedem Fall für meine Kinder eingelagert lassen. Die Entscheidung, was danach damit wird, sollen die Mädels selbst treffen. Mir war es wichtig, das den Kindern auf ihren Lebensweg mitzugeben
Welche Erfahrungen haben Sie in Ihrem Freundeskreis gemacht, wenn sie über die Einlagerung sprechen?
Viele haben gefragt: „Wieso macht ihr das denn? Das viele Geld.“ Zum Teil ist das auch heute noch so. Mittlerweile kann man zwar in Raten zahlen. Gerade wenn man mehrere Kinder hat, ist es doch finanziell etwas enger. Da finde ich die Finanzierung eine schöne Sache. Aber von meinen Freundinnen hat keine das Nabelschnurblut eingelagert.
Woran glauben Sie liegt das?
Viele sehen erstmal das Geld und dass das Nabelschnurblut noch nicht so oft verwendet wird. Aber eine Garantie, dass das Nabelschnurblut wirklich einmal helfen kann, hat man ohnehin nie. Garantien hat man in der Medizin einfach nicht. Ich kann nicht nachvollziehen, warum andere so ein Unverständnis mitbringen. Für uns stand es jedenfalls fest. Und wenn wir noch ein Kind bekommen würden, dann würden wir es wieder machen.
Was wissen Sie denn über die aktuellen Anwendungsmöglichkeiten mit den Nabelschnurblut-Stammzellen?
Bei Diabetes bei Kindern wird viel geforscht, in Amerika laufen da viele Studien. Und bei Leukämie und Hodgkin-Lymphom wird es wohl auch schon verwendet.
Welche Hoffnungen haben Sie für die Zukunft?
Es wäre natürlich schön, wenn die Medizin bald soweit ist, Krankheiten wie Krebs oder Diabetes mit den Stammzellen zu heilen oder zu lindern. Vielleicht wird es in einigen Jahren sogar Routine sein.
Sie sind selbst Mutter von drei Kindern. Gibt es etwas, was Sie werdenden Eltern mit auf den Weg geben möchten?
Man freut sich auf sein Kind und man geht ja auch nicht davon aus, dass es mal krank wird. Viele verdrängen, dass im Laufe eines Lebens aber immer was passieren kann. Man gibt für so viele Dinge Geld aus, die unwichtig sind. Für die Nabelschnurblut-Einlagerung ist das Geld richtig gut angelegt. Es ist einfach eine Chance, denn man weiß ja nicht, wie die Entwicklung verläuft. Diese Chance hat man nur dieses eine Mal. Entweder man entscheidet sich dafür oder man macht es nicht. Wenn man sich dagegen entscheidet, man kann das nicht mehr rückgängig machen.
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