Archiv für Oktober, 2008
”Wenn Nabelschnurblut so wertvolle Stammzellen enthält, warum braucht die Forschung dann so lange, um diese auch einzusetzen?” Diese Frage stellen sich viele werdenden Eltern. Gefolgt von der Vermutung, dass die möglichen Anwendungen ihren Weg in die Klinik zu spät finden. Doch dem ist nicht so: Die Forschung bewegt sich – ständig! Aber es dauert seine Zeit, bis neue Therapien mit Nabelschnurblut so weit erkundet sind, dass sie ohne Risiko am Menschen angewandt werden dürfen. Schließlich sollen die Neuerungen nicht unvorhersehbaren Schaden anrichten, sondern den Patienten beim gesund werden helfen. Dafür ist es notwendig, dass die Testreihen mehrmals wiederholt werden, um einerseits ein aussagekräftiges Ergebnis zu erhalten und andererseits Langzeitwirkungen zu erkennen. Dafür benötigen die Forscher finanzielle Mittel. Diese werden durch Institutionen wie das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) oder der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) allerdings erst dann bereit gestellt, wenn sich die Untersuchungen als innovativ und zukunftsträchtig darstellen. Fazit: Sicher sind viele Menschen der Meinung, dass die Erforschung neuer Behandlungen zu lange dauert, aber die Zeit wird dringend benötigt. Nur so können in Zukunft unheilbare Krankheiten mit Nabelschnurblut therapiert werden, ohne dass Risiken für die Patienten bestehen.

Wir würden immer wieder Nabelschnurblut einlagern. Dadurch haben wir einfach ein besseres Gefühl und hoffen natürlich, es nie zu brauchen.
Familie Winter aus Coswig
Nabelschnurblut hat seinen festen Platz in der Wissenschaft. Denn die Stammzellen, die darin enthalten sind, helfen bei Schlaganfall und Herzinfarkt gleichermaßen. Auf dem dritten Life Science Symposium der Fraunhofer Gesellschaft trafen sich am 24. und 25. Oktober 2008 Wissenschaftler in Leipzig, um ihre Forschungsergebnisse mit Stammzellen zu präsentieren.


Neben den Vorträgen stellten Biotechnologie-Unternehmen Geräte vor, die den Laboralltag erleichtern können. Es gab beispielsweise einen Bioreaktor in dem sich Stammzellen, auch die aus dem Nabelschnurblut, vermehren lassen.


Stammzellen – Alleskönner, die zerstörtes oder beschädigtes Gewebe regenerieren können – übernahmen die Hauptrolle beim dritten Fraunhofer Life Science Symposium am 24. und 25. Oktober 2008 in Leipzig. Dort stellten Wissenschaftler ihre neuesten Ergebnisse im Kampf gegen Schlaganfall und Herzinfarkt vor. Dabei gehen die Stammzellen der unterschiedlichsten Herkunftsbereiche, wie Knochenmark, Nabelschnurblut, Embryo und Reagenzglas (induzierte pluripotente Stammzellen) ganz unterschiedliche Wege: Sie entwickeln sich in die benötigten Zellen, fördern die Sauerstoffversorgung oder aktivieren die Selbstheilungskräfte eines ganzen Organs. Neben den wissenschaftlichen Vorträgen waren auch Biotechnologie-Unternehmen vor Ort, um neue Geräte vorzustellen. Besondere Aufmerksamkeit erregte, neben faszinierenden Mikroskopen und Zellkulturgerätschaften, ein Bioreaktor, in dem sich unter anderem Stammzellen aus Nabelschnurblut vermehren lassen.
Bildquelle: www.sxc.hu
Das “Innovationsforum – Demografie und Gesundheitsressourcen” fand am 23. Oktober 2008 in Leipzig statt. Zu der Veranstaltung hatte die Europäische Vereinigung für Vitalität und Aktives Altern e.V. geladen, um den Umgang mit dem demografischen Wandel, vor allem in der Arbeitswelt, zu besprechen. Die Vereinsvorsitzende Dr. med. Dagmar Pöthig übernahm die Moderation. Austragungsort war das Fraunhofer Institut für Zelltherapie und Immunologie in Leipzig, das unter anderem mit Stammzellen aus Nabelschnurblut an neuen Zelltherapieansätzen forscht.
Das Fraunhofer Institut für Zelltherapie und Immunologie (IZI) beschäftigt sich unter anderem mit den Einsatzmöglichkeiten von Stammzellen (auch aus Nabelschnurblut) in der Regenerativen Medizin. Auf dem gestrigen “Innovationsforum – Demografie und Gesundheitsressourcen” wurde dem außen stehenden Betrachter vor allem eines klar: Das Thema alternde Gesellschaft hat nun endlich auch die Arbeitgeber erreicht. Damit war aber nur ein Etappenziel der Veranstalter – die Europäische Vereinigung für Vitalität und Aktives Altern e.V. – erfüllt. Denn gestern wurden Maßnahmen vorgestellt, wie mit der vorangegangen Erkenntnis umgegangen werden kann und muss. Dienstleister und Unternehmen stellten ihre Vorgehensweise vor: Abwechslung für den Arbeitnehmer und innerbetriebliche Aktivitäten verringern die krankheitsbedingten Ausfälle. Für gesundheitsbewusste Eltern ist das schon länger klar – wer sich viel bewegt und gesund ernährt, ist seltener krank. Wissenschaftlich ausgedrückt: Bewegung fördert die Freisetzung von hoch potenten Stammzellen. Doch für den Fall, dass dennoch etwas passiert, gibt es die Regenerative Medizin. Auch ihre Möglichkeiten wurden im Rahmen der Vorträge vorgestellt. Hier reparieren unter anderem Stammzellen, wie sie auch im Nabelschnurblut vorkommen, Gewebe und Organe und können so beispielsweise Verschleißerkrankungen, wie Knorpeldefekte heilen. Fazit der Veranstaltung: Die Regenerative Medizin zusammen mit geistiger und körperlicher Fitness, helfen bis ins hohe Alter leistungsfähig zu bleiben.
Bildquelle: www.sxc.hu
Die meisten Eltern bewahren das Nabelschnurblut ihres Kindes auf, um im Notfall darauf zurück greifen zu können. Die Einlagerung des wertvollen Guts ist für sie eine bedeutende Vorsorgemöglichkeit. Das haben mittlerweile auch über 20 gesetzliche Krankenkassen erkannt, die durch besondere Konditionen ihre Versicherten dazu ermutigen wollen, das Blut aus der Nabelschnur ihrer Kinder einzulagern. Die Entscheidung der gesetzlichen Krankenkassen gründet sich in neuesten Forschungsergebnissen, die das Potenzial von Stammzellen als Vorsorgemöglichkeit zeigen. Mehr Informationen finden sie hier.
Bildquelle: www.pixelio.de
Die Stammzellforschung, bei der auch Zellen aus Nabelschnurblut eine wichtige Rolle spielen, macht ständig Fortschritte. Um auf dem neuesten Stand zu bleiben, ist es für Wissenschaftler wichtig, sich über Erfahrungen auszutauschen. Aus diesem Grund finden in den kommenden Tagen gleich zwei Veranstaltungen in Leipzig statt. Zum Fraunhofer-Innovationsforum ”Demografie und Gesundheitsressourcen – Neue Lösungen für den Gesundheits- und Arbeitsmarkt” am 23. Oktober 2008 sind Spezialisten eingeladen, die darüber sprechen, wie Regeneration in einer immer älter-werdenden Gesellschaft möglich ist. Dies wird besonders für unsere künftigen Generationen von Bedeutung sein, denn bei einer steigenden Lebenserwartung muss auch eine bessere medizinische Versorgung gewährleistet werden. In Zukunft sollen Volkskrankheiten, wie beispielsweise Herz-Kreislauferkrankungen, die bei älteren Menschen immer häufiger auftreten, mit Hilfe der neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse therapiert werden. Auf dem Feld der Regenerativen Medizin spielen dabei neueste Studien zur Forschung mit Stammzellen (wie sie auch im Nabelschnurblut vorkommen) ein bedeutende Rolle. Ähnliche Themen werden auch auf dem ”Fraunhofer Life Science Symposium” am 24. und 25. Oktober besprochen. Das Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie in Leipzig (IZI) hat anerkannte Wissenschaftler aus In- und Ausland eingeladen, um über das Thema ”Ischämie und Regeneration” zu sprechen. Bei ischämischen Krankheiten handelt es sich um Erkrankungen des Körpergewebes, die auf Grund von Sauerstoffmangel auftreten. Forscher der Regenerativen Medizin sind daher bemüht, Heilungsmethoden für diese Art von Erkrankungen zu finden: Dabei sollen Stammzellen, wie sie auch im Nabelschnurblut vorkommen, eingesetzt werden, um das erkrankte Gewebe wieder herzustellen. Damit ist das Potential von Stammzellen (beispielsweise aus Nabelschnurblut) noch nicht ausgeschöpft: Ebenfalls zur Diskussion stehen neue Chancen für Therapien bei Schlaganfällen und Herzinfarkten. Mehr Informationen zu den Veranstaltungen finden Sie hier und hier.
Bildquelle: www.sxc.hu
Zusammen mit der Gesellschaft für Regenerative Medizin lud Professor Dr. Anthony Ho, Ärztlicher Direktor der Klinik für Hämatologie, Onkologie und Rheumatologie des Universitätsklinikums Heidelberg, Experten ein, um sich über Fortschritte in der Forschung mit Stammzellen aus Nabelschnurblut auszutauschen. Der Workshop fand unter dem Thema ”Sources for Stem Cell Transplantations: Think across borders” statt – und zu diesen ”neuen Quellen für Stammzellen” gehört vor allem das Blut aus der Nabelschnur, das auch in Zukunft noch weiter an Bedeutung zunehmen wird. Das Interesse der Forscher galt dabei ganz besonders neuen Therapiemöglichkeiten: Denn bisherige Studien mit Stammzellen aus dem Blut weisen den Weg in eine hoffnungsvolle Zukunft. So berichtet beispielsweise die Ärztin Dr. Joanne Kurtzberg von ihren Erfolgen: Bereits mehrfach hat sie Stammzellen aus Nabelschnurblut bei der Behandlung von Erbkrankheiten angewendet. Auch bei Typ-1-Diabetes stehen die Chancen auf neue Therapieformen gut: Aktuelle Studien zeigen, dass eine neue Behandlungsmöglichkeit dieser Krankheit mit Stammzellen aus Nabelschnurblut sehr vielversprechend ist. Mehr Informationen zu den Themen des Workshops finden Sie hier.
Bildquelle: www.sxc.hu
Maria-Elisabeth Lange-Ernst ist Pressesprecherin des Berufsverbandes der Frauenärzte und erfahrene Medizinjournalistin. Sie setzt sich dafür ein, dass die Menschen über Stammzellforschung und ihre Möglichkeiten aufgeklärt werden. Dabei legt sie besonderen Wert auf die Tatsache, dass Stammzelleinlagerung aus Nabelschnurblut nichts mit den ethisch bedenklichen embryonalen Stammzellen zu tun haben. Außerdem kritisiert sie, dass sich noch nicht genügend Mediziner mit dem Potential von Nabelschnurblut auseinander gesetzt haben. Das gesamte Interview finden Sie hier.


