Archiv für August, 2008
Als Leiter der Fachberatung einer privaten Nabelschnurblutbank beantwortet Dr. Erich Kunert täglich viele Fragen rund um Stammzellen. Die Entscheidung das Nabelschnurblut einzulagern, möchte er werdenden Eltern damit nicht abnehmen. Doch jedes Nabelschnurblutpräparat, das für die Zukunft aufbewahrt werden kann, ist für ihn die richtige Investition.
Was sagen Sie werdenden Eltern, die sich für die individuelle Aufbewahrung von Nabelschnurblut entschieden haben?
Ich freue mich, dass sie darüber nachgedacht haben. Ich bitte sie, alles was notwendig ist, um das Blut einfrieren zu lassen, rechtzeitig zu tun. Und wenn sie es getan haben, gratuliere zu der Entscheidung: Sie haben für ihr Kind etwas sehr Gutes getan.
Angefangen als Beleghebamme, gründete Hebamme Kira Macht zusammen mit Ihrem Mann Thorsten Rautenberg das Unternehmen ”Hebammenpraxis PLANET BABY®”. Erst waren es nur ein paar Räume, später ein eigenes Geburtshaus. Ein Thema war von Anfang an immer mit dabei: Die Entnahme von Nabelschnurblut.
Was war Ihre Motivation, den Berufsweg der Hebamme einzuschlagen?
Dafür gibt es zwei Gründe: Zum einen ist es die Tätigkeit an sich – ich habe mit jungen glücklichen Frauen und ihren Babys zu tun. Zum anderen kann ich mich zwischen der Arbeit als Freiberuflerin oder Angestellte entscheiden. Ich persönlich habe mich für die Selbständigkeit entschieden. Denn mir ist wichtig, die Familien weit vor der Geburt kennen zu lernen, um die Umstände zu verstehen und mich auf die Schwangeren einzustellen. Auch die Nachsorge liegt mir sehr am Herzen, denn ein Neugeborenes schafft eine Situation, die die Eltern vor neue Herausforderungen stellt. weiterlesen »
Zur Beratung zum Thema Nabelschnurblut gehört nicht nur umfangreiches Fachwissen. Die Mitarbeiter der telefonischen Kundenberatung einer privaten Nabelschnurblutbank unter der Leitung von Dr. Ute Heyme, müssen zusätzlich ein Gefühl für die Wünsche und Anliegen der Eltern entwickeln. Denn sie sollen sich während der Gespräche wohl fühlen und Vertrauen aufbauen. Im Interview gibt die promovierte Biologin wertvolle Tipps für werdende Eltern.
Im Idealfall: Wie lange vorher sollten sich Eltern an Sie wenden, wenn sie Nabelschnurblut einlagern lassen wollen?
Ideal ist es, wenn die werdenden Eltern im zweiten Schwangerschaftsdrittel auf uns zu kommen. Dann haben sie genügend Zeit, sich zu informieren und sie können in aller Ruhe eine Entscheidung treffen – ohne Zeitdruck – das ist ganz wichtig. Spätestens sechs bis acht Wochen vor dem Entbindungstermin sollten uns alle benötigten Unterlagen dann vorliegen, so dass die Eltern kurz danach das Entnahmepaket bei sich zu Hause haben. Sicher ist sicher, denn Kinder kommen oft eher als errechnet! Wenn es doch einmal kurzfristig gehen muss, können wir natürlich auch schnell reagieren. Mit unserem Spezialkurier kann das Entnahmepaket ohne Zusatzkosten über Nacht versendet werden, so dass es spätestens am darauf folgenden Vormittag zur Verfügung steht. weiterlesen »

Die Einlagerung von Nabelschnurblut ist für Apotherkerin Ina Schulze selbstverständlich, um ihren Kinder Max und Karl eine Art “Lebensversicherung” zu bieten. Jedoch würde sie das Blut bei einem Notfall in der Familie auch freigeben. Lesen Sie im Interview mehr über ihre Beweggründe.
Warum haben Sie das Blut aus der Nabelschnur Ihrer Kinder einlagern lassen?
Wir sehen die Einlagerung als eine Art Lebensversicherung für unsere Kinder an. Falls sie oder wir erkranken, kann es zur Heilung der Krankheiten eingesetzt werden. Wir wissen im Grunde noch nicht, was in 20 Jahren alles möglich sein wird. Doch Fakt ist: Ist die Nabelschnur erstmal weg ist – ist sie weg. weiterlesen »
Manche Fragen zum Thema Nabelschnurblut können nur Experten beantworten. Der Gynäkologe Dr. med. Volker R. Jacobs von der Technischen Universität in München betreibt intensive Forschung mit den Stammzellen aus dem Blut. Er äußert sich zu dem Vorwurf: Private Blutbanken verringern die Zahl der Spenden – entweder für die so genannten Spendebanken oder für die Forschung.
Volker R. Jacobs: “Wir haben das für unsere Nabelschnur- und Nabelschnurblutproben der letzten Jahre analysiert und festgestellt, dass private Einlagerungen mit zirka ein bis zwei Prozent am Gesamtanteil, unsere Forschung nicht wesentlich einschränken. Es ist damit ein zu vernachlässigender Anteil, so dass keine Konkurrenz zwischen privaten Blutbanken und der Wissenschaft entsteht. Im Gegensatz dazu sind öffentliche Banken ein Konkurrent für die Stammzellforschung, da sie möglichst alle Blutproben bekommen wollen, somit für die Forschung keine Proben mehr übrig blieben. Einzig aus diesem pragmatischen Grund hat die Frauenklinik der Technischen Universität München als Stammzellforschungszentrum seit Jahren keine Zusammenarbeit mit öffentlichen Nabelschnurblutbanken.”
Für Manuela Hoffmann aus Kosilenzien war vom ersten Augenblick klar – dass Nabelschnurblut ihrer Kinder Tom und Lara soll bewahrt werden. Denn sie hat schon früh in ihrem Leben erkennen müssen, dass schwere Krankheiten vor Kindern nicht halt machen. Im Interview erzählt Sie über die Entscheidung, das Blut aus der Nabelschnur einlagern zu lassen und die Reaktionen von anderern Eltern.
Was hat Sie dazu bewogen, das Nabelschnurblut Ihrer Kinder einlagern zu lassen?
Ich möchte die Sicherheit haben, meine Kinder vor gefährlichen Krankheiten zu schützen. Ich kam als Kind selbst hautnah mit einem Leukämie-Fall in Kontakt: Während meiner Kindergartenzeit gab es einen Jungen, der an dieser Krankheit litt. Und als ich dann als werdende Mutter erfuhr, dass das Behandeln einer solchen Erkrankung schon mit Hilfe des Nabelschnurblutes eines Geschwisterkindes geschehen könnte, stand für mich die Entscheidung fest. Wenn ein Ernstfall in meiner Familie auftreten sollte, habe ich eine solche Reserve zur Verfügung. Denn es ist besser, das Blut zu haben und nicht zu brauchen, als umgekehrt. weiterlesen »
Das Herzstück des Entnahmepakets bildet der Entnahmebeutel, der steril verpackt ist. Dieser wurde von VITA 34 eigens für die Nabelschnurblutentnahme entwickelt. Vorstellbar als ein flacher, durchsichtiger Kunststoffbeutel, der mit einer Pufferlösung gefüllt ist. Die Lösung sorgt dafür, dass das Nabelschnurblut während des Transports nicht gerinnt und mit Nährstoffen versorgt wird.
Über einen Schlauch, an dessen Ende sich eine Kanüle befindet, läuft das Blut per Schwerkraft bei der Entnahme in diesen Blutbeutel. Am Schlauch befinden sich mehrere Klemmen. Sie schließen den Beutel nach der Entnahme ab und verhindern das Auslaufen des Blutes während des Transports. Der befüllte Entnahmebeutel und die Monovetten kommen zusammen nach der Entnahme in den Transportbeutel.
Für den Transport wird der Transportbeutel zwischen zwei großen Gelkissen platziert. Sie sorgen gemeinsam mit der Styroporbox dafür, dass die Temperatur des Nabelschnurblutes selbst an heißen Sommertagen oder bei Frost über mehrere Stunden innerhalb der geforderten 18 bis 26 Grad Celsius bleibt.
Zum Inhalt gehört unter anderem die Zubehörbox, die alle Utensilien zur Desinfektion der Nabelschnur enthält: ein grünes OP-Abdecktuch, zwei Mullkompressen, drei desinfizierende Povidone-Jodine-Tupfer und zusätzlich Monovetten und Kanülen. Eine Anleitung, die beschreibt, wie die Nabelschnur vor der Entnahme richtig desinfiziert wird, ist auf der Zubehörbox aufgedruckt.
In die Monovetten kommen die Proben des mütterlichen Blutes. Denn neben dem Nabelschnurblut des Neugeborenen werden auch immer Proben des Blutes der Mutter entnommen. Beide Proben werden eingehend medizinisch untersucht. Nur so kann gewährleistet werden, dass das Blut für die Einlagerung und zur späteren Therapie geeignet ist. Die Monovetten und alle Papiere sind bereits mit dem Namen der Mutter, sowie einer Vertragsnummer beschriftet. Somit ist eine Verwechslung ausgeschlossen.
Kernstück des Nabelschnurblut-Entnahmesets ist eine 35 mal 23 mal 23 Zentimeter große Styroporbox, die zur Isolierung und zum mechanischen Schutz dient. Die Box ist außen mit einem stabilen Karton verkleidet, der sie während des Transports zusätzlich schützt. Auf dem Deckel der Box ist ein Temperaturmessstreifen angebracht, der jederzeit die herrschende Außentemperatur anzeigt. Der Messstreifen besteht aus thermochromatischem Material, das entsprechend der Temperatur die Farbe ändert. In der Styroporbox befindet sich zudem ein elektronischer Temperaturlogger, der kontinuierlich die Temperatur im Inneren erfasst – vom Moment, an dem das Paket an die Eltern verschickt wird, bis zu der Zeit, wo es wieder im Labor ankommt. Dieser wird anschließend computerunterstützt ausgewertet.
Damit bei der Entnahme auch nichts schief gehen kann und alle behördlichen Auflagen erfüllt werden, liegen dem Päckchen mehrere Dokumente bei. Dazu gehören eine Checkliste für den Inhalt des Entnahmesets, das Entnahmeprotokoll, eine Kurzanleitung zum Entnahmeset und zur Entnahmetechnik von Nabelschnurblut sowie eine ärztliche Bestätigung über die Aufklärung, Einwilligung und Eignung der Schwangeren zur Nabelschnurblutentnahme.
Prof. Dr. Volker Ragosch ist Gynäkologe an der Frauenklinik in Hamburg-Altona, wo die Nabelschurblutentnahme seit neun Jahren durchgeführt wird. Die erste Entnahme von Nabelschnurblut hat er als Vater bei der Geburt seiner eigenen Tochter persönlich vorgenommen. Im Interview erklärt er die Bedeutung der Nabelschnurblutentnahme.
Sie haben dabei geholfen, 15.000 Kinder auf die Welt zu bringen. Seit wann entnimmt Ihre Klinik Nabelschnurblut und wie viel Entnahmen waren es seither?
Ich bin seit 2002 in der Frauenklinik in Hamburg-Altona, das Blut aus der Nabelschnur wird bei uns aber schon seit 1999 entnommen. In den letzten Jahren konnten wir eine deutliche Steigerung erkennen. Denn das Thema Nabelschnurblut ist aktueller geworden. Im Moment nehmen wir das Blut bei ungefähr 100 Geburten im Jahr für private Banken ab. Insgesamt waren es seit Beginn der Entnahmen ungefähr 1.000. Für öffentliche Banken nehmen wir kein Blut aus der Nabelschnur ab, da es im ganzen norddeutschen Raum keinen Anbieter dafür gibt. weiterlesen »


