Archiv für Juli, 2008
Der Umgang mit werdenden Eltern benötigt besonderes Fingerspitzengefühl. Schliesslich müssen sie ständig wichtige Entscheidungen für ihren Nachwuchs treffen. Dr. rer. nat. Marion Bartel ist studierte Biochemikerin und selbst Mutter von zwei Kindern. Sie arbeitet in der Fachberatung einer privaten Nabelschnurblutbank. Im Interview berichtet Sie über ihren Antrieb, Eltern umfangreich über Nabelschnurblut und dessen Möglichkeiten aufzuklären.
Was motiviert sie persönlich, Eltern zu beraten?
Ich bin selbst Mutter von zwei Kindern. Bei der Geburt meines Sohnes habe ich noch nichts von Nabelschnurblut gewusst und kein Blut aufbewahrt. Bei der Geburt unserer Tochter vor drei Jahren war das anders. Dabei haben mein Mann und ich gesagt, wir lagern das Nabelschnurblut ein. Das ist eine Situation, die mir auch im Gespräch mit Eltern immer wieder begegnet. ”Wir haben das ja gar nicht gewusst”, heißt es dann. Und das möchte ich gerne ändern. Mir ist es wichtig, dass alle Eltern wissen, dass die Möglichkeit gibt, Nabelschnurblut aufzubewahren. Und dass sie verstehen, wofür das gut ist. Ich persönlich bin davon überzeugt, dass Nabelschnurblut-Stammzellen in Zukunft eine immense Bedeutung für die Medizin haben werden.
Wenn Sie zukünftigen Eltern in punkto Nabelschnurblut einen Rat mit auf den Weg geben könnten, welcher wäre das?
Jeder sollte sich zunächst über das Thema Nabelschnurblut-Einlagerung informieren. Es ist ein spannendes Thema und es passiert wahnsinnig viel auf dem Gebiet der Stammzellmedizin. Nabelschnurblut ist die ideale Quelle zur Gewinnung von Stammzellen, weil diese Stammzellen sehr jung, gesund und risikolos in der Entnahme sind. Natürlich hoffe ich, dass unsere kleinen Kunden die Stammzellen aus dem Nabelschnurblut niemals benötigen werden und ein Leben lang gesund bleiben. Aber die Entscheidung für die Einlagerung des Nabelschnurblutes müssen alle Eltern für sich allein treffen. Wichtig ist mir nur, dass sich die Eltern vorab informiert haben und auf Basis von Fakten und nicht von Vorurteilen entscheiden.
Ein zweijähriger Junge aus Texas in den USA, der an einem Neuroblastom – der zweithäufigsten Krebserkrankung bei Kindern – litt, ist seit der Behandlung mit seinen eigenen Nabelschnurblut-Stammzellen Ende 2007 ohne Symptome. Das Nabelschnurblut wurde nach der Geburt entnommen und konserviert. Nach der Chemotherapie halfen die darin enthaltenen Stammzellen, das geschädigte Immunsystem des Kindes schnell zu regenerieren. Hier erfahren Sie mehr. Bildquelle: www.sxc.hu
Nabelschnurblut enthält wertvolle Stammzellen, die im Fall schwerer Erkrankungen lebensrettend sein können. Deshalb unterliegen alle Schritte von der Entnahme des Blutes im Krankenhaus bis zur Lagerung im Kältetank strengsten Qualitätsanforderungen. Das gilt insbesondere für den Transport des Nabelschnurblutes. So ist in den Richtlinien der Bundesärztekammer vorgeschrieben, dass das Blut nur bei Raumtemperatur, dass heißt 18-26 Grad Celsius, transportiert werden darf. Deshalb hat VITA 34 eine spezielle Sicherheitsverpackung für den Transport entwickelt.
An der Universität Florida unter der Leitung von Prof. Dr. J. Michael Haller wurden im Rahmen einer klinischen Studie sieben Kinder, die an jugendlichem Diabetes Typ I litten, erfolgreich mit ihren eigenen Stammzellen aus dem Nabelschnurblut behandelt. Die Ergebnisse wurden auf dem Jahrestreffen der ”American Diabetes Association” 2007 in Chicago präsentiert und 2008 in der Juni Ausgabe von ”Experimental Hematology” veröffentlicht. Die Eltern hatten das Nabelschnurblut bei der Geburt ihrer Kinder einlagern lassen. Nach der Therapie verbesserten sich bei allen Kindern die Blutwerte und sie benötigten nur halb so viel Insulin, wie ohne Therapie.
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Gesetzliche Krankenkassen, wie beispielsweise die Betriebskrankenkasse (BKK) FAHR oder die BKK Gruner + Jahr unterstützen die Einlagerung von Nabelschnurblut bei VITA 34. Die Versicherten erhalten dadurch Rabatte auf die Einlagerungsgebühren. Damit reagieren nun auch die gesetzlichen Krankenkassen auf die immer stärker werdende Nachfrage, diese Möglichkeit der Vorsorge für sein Kind zu nutzen. Zuvor hatte sich mit der Debeka bereits eine große private Krankenversicherung für die Aufbewahrung von Nabelschnurblut eingesetzt und bietet ihren Mitgliedern Vorteilskonditionen an.
Wer sich im Internet informiert, merkt schnell welche Fortschritte die Forschung im Bereich Stammzellen aus Nabelschnurblut macht. Mit diesem Wissen fällt es leicht, eine Entscheidung für sein Kind zu treffen. Familie Streubel hat sie inzwischen für drei Kinder getroffen – Fredericke, Constantin und Pauline.
Warum haben Sie sich dazu entschieden, das Nabelschnurblut Ihrer Kinder einlagern zu lassen?
Jens Streubel: Als die Frauenärztin uns von der Möglichkeit erzählte, dass das Nabelschnurblut eingelagert werden kann, war für uns schnell klar, dass wir uns dafür entscheiden. Für unsere Kinder ist es, im Falle einer Krankheit, die Chance auf Heilung. Das Blut der eigenen Kinder gibt es auch nur zum Zeitpunkt der Geburt. Wir möchten nicht in die Verlegenheit kommen, wenn wir es wirklich irgendwann mal brauchen, nicht vorgesorgt zu haben. Natürlich hoffen wir, das Nabelschnurblut niemals verwenden zu müssen, aber wir wollen einfach das Risiko so gering wie möglich halten. Das eingelagerte Blut beruhigt ungemein. Es ist für uns wie eine Versicherung. weiterlesen »
Eltern, die bereits Nabelschnurblut eingelagert haben, wissen bereits, auf welche Kompetenzen eine Nabelschnurblutbank setzen muss. Für alle neugierigen Interessenten ist eine mögliche Herangehensweise – das Zusammenwirken von Wissenschaftlern und Betriebswirtschaftlern – nochmals hier zusammengefasst.
Aktuelles Interview: Wissenschaftlerin Dr. Alexandra Stolzing vom Fraunhofer Institut in Leipzig berichtet über das Älterwerden von Stammzellen und der Möglichkeit sie wieder jung zu machen. Dabei helfen Stammzellen aus Nabelschnurblut, denn sie sind die jüngsten adulten Stammzellen, die zudem einfach zu gewinnen sind. Lesen Sie hier mehr über das Interview mit der Wissenschaftlerin.
Eltern machen sich vor der Geburt ihres Kindes viele Gedanken über die Gesundheit ihres Nachwuchses: Wird es gesund auf die Welt kommen? Was kann ich für seine Vorsorge tun? Welche Mittel habe ich im Fall von schweren Krankheiten in der Hand? Solche Fragen gewinnen an Relevanz, wenn in der nahen Bekanntschaft schwere Krankheiten auftreten. Birgit Schneider hat den Leidensweg des Kindes einer Bekannten mitverfolgt. Wie diese Bilder zu ihrer Entscheidung für die Einlagerung von Nabelschnurblut ihrer Kinder Charlotte und Luise beigetragen haben, ist in diesem Interview zu lesen.
Warum haben Sie das Blut aus der Nabelschnur Ihrer Kinder einlagern lassen?
Der ausschlaggebende Punkt war das Kind einer Bekannten: Es war bereits mit vier Jahren ein Krebspatient. Nach zwei Jahren Therapie ist es gestorben. Wir waren in dieser Zeit oft auf der Kinderkrebsstation und erlebten, wie viele Kinder dieses Schicksal erleiden. Durch einen Zeitungsartikel habe ich dann von VITA 34 erfahren. Durch nähere Recherche wurde mir klar, dass die Einlagerung von Nabelschnurblut eine Chance ist, im Notfall das Leben meiner Kinder zu retten. Mir war sofort klar, dass ich diese Vorsorgemöglichkeit nutzen wollte. Die Forschung geht immer weiter und vielleicht können irgendwann weitere Krankheiten geheilt werden. Ich sehe es als eine Art Lebensversicherung für meine Kinder.

