Archiv für März, 2008

“Wir sind froh und glücklich über dieses gesunde hübsche Kind und wiegen uns in Sicherheit, da wir ihr Nabelschnurblut bei Ihnen in besten Händen wissen. Es wird bald Nachwuchs im Hause meiner Schwester geben und auch ihr werden wir die Einlagerung des Blutes ans Herz legen.”
Annett Martin aus Mulda
Langsam setzt sich die Besuchergruppe wieder in Richtung Ausgang in Bewegung. “Parallel wird in der Hämatologie Nabelschnurblut auf seine Qualität geprüft”, erklärt uns Dr. Kunert. Und im benachbarten Zellkulturlabor werden in den kommenden Tagen weitere wichtige Untersuchungen stattfinden. ”Der Vitalitätstest beispielsweise gibt uns Auskunft über die Anzahl der Stammzellen”, so Kunert.
“Unsere Mitarbeiter arbeiten übrigens an sieben Tagen die Woche, auch an Feiertagen, im Zweischichtsystem, so dass Einlagerungen jederzeit vorgenommen werden können”, sagt Dr. Kunert und nimmt mir damit meine Zweifel an meinem errechneten Geburtstermin. Mein Sohn soll an einem Sonntag zur Welt kommen. An der Eingangstür angekommen, betont Dr. Kunert nochmals das Potenzial der Stammzellen aus Nabelschnurblut. “Eigene Stammzellen, wie die aus dem Nabelschnurblut, werden bei einer Anwendung vom Körper nicht abgestoßen. Sie können eingesetzt werden, um Krebs, Diabetes und viele weitere Erkrankungen zu bekämpfen. So könnten die eingelagerten Stammzellen für Ihr Kind oder auch einen anderen Menschen einmal Lebensretter sein.”
Nachdenklich blicken wir Dr. Kunert an, der uns noch Informationsmaterial reicht. Freundlich verabschiedet er sich von jedem Einzelnen. Auch der kleine Junge blickt ihn verschmitzt an und lächelt.
Draußen vor der BIO CITY scheint noch immer die spätnachmittägliche Sonne. Eines steht für mich fest: Ich werde noch heute Abend mit meinem Mann über die Einlagerung sprechen.
Bevor das Nabelschnurblut im letzten Raum des Ganges angelangt ist, wird es mit einem speziellen Nummerncode versehen: Jede Zahlenfolge verweist auf die Herkunft des Blutes – auf die Familie, die sich dafür entschieden hat. Nur ein Platz ist dafür in den runden Stickstofftanks vorgesehen: Verwechslung bei über 50.000 eingelagerten Proben ausgeschlossen. Hinzu kommt die sanfte Abkühlung des Nabelschnurblutes – schließlich sollen die Stammzellen in den eisigen Bedingungen der Stickstofftanks nicht zerstört werden. Als organische Materie und ”Lebensretter” müssen auch kurz vor der letzten Etappe des Rundgangs die strengen Vorgaben zur Einlagerung eingehalten werden.
Nun stehen wir vor den riesigen Metalltanks. “Hier im Einfrierraum des Gläsernen Labors befinden sich die so genannten Kryotanks. Hier wird das Nabelschnurblut bei minus 196 Grad Celsius eingelagert”, erklärt Dr. Kunert. “Und woher wissen Sie, welche Probe zu welcher Familie gehört?”, fragt eine Dame, die hinter mir steht. ”Alle Daten werden in das Computersystem eingegeben und mit einem Barcode, wie Sie ihn aus dem Supermarkt kennen, versehen. Dieser befindet sich auf dem Blutbeutel, allen Röhrchen und Dokumenten und ist eindeutig identifizierbar”, erklärt der Fachmann das Prinzip. Im Einfrieraum selbst beobachte ich den zuständigen Laborleiter, der gerade die Kryotanks überprüft. “Etwa 1.500 Nabelschnurblutproben haben in einer Art Regalsystem angeordnet in den Tanks Platz”, fügt der Experte an. Der genaue Platz jedes Präparates wird dokumentiert – damit ist es innerhalb weniger Minuten gefunden und einsatzbereit.
Doch bevor die eigentliche Einlagerung vollzogen wird, werden die Proben computergesteuert auf minus 150 Grad Celsius heruntergekühlt und dann innerhalb von Sekunden in die großen Kryotanks überführt, wo sie dann jahrzehntelang lagern können”, so Dr. Kunert weiter. ”Über 40 Stück dieser Metallriesen stehen schon bei VITA 34.”

