18. Februar 2010

Das Nabelschnurblut von Anna Fassbender wurde eingelagertS. Fassbender aus Köln hat sich aller Widerstände zum Trotz für eine Nabelschnurbluteinlagerung für ihre Tochter Anna entschieden. 2001 war sie damit eine der ersten, die diese Möglichkeit der Gesundheitsvorsorge nutzten. In ihrer Entscheidung geholfen haben ihr vor allem Gespräche mit Freunden in Hong Kong, wo die Aufbewahrung des Nabelschnurbluts nahezu Routine ist.

Frau Fassbender, Ihre Tochter ist jetzt  fast neun Jahre alt. 2001 war die Möglichkeit, das Nabelschnurblut einzulagern noch relativ unbekannt. Wie sind Sie denn damals darauf aufmerksam geworden?

Die Nabelschnurbluteinlagerung hat mir eine Apothekerin empfohlen. Ich war damals eher zufällig in der Apotheke und als sie sah, dass ich schwanger bin, hat sie mir einen Artikel kopiert und mit nach Hause gegeben. Ich fand das Thema sofort interessant, habe mich näher darüber erkundigt und habe die Nabelschnurbluteinlagerung dann auch gemacht.

Welche Informationsquellen haben Sie dazu genutzt?

Ich glaube, ich bin damals im Internet gewesen und habe mich mit Freundinnen darüber unterhalten. Wobei ich erwähnen muss, dass ich international vernetzt bin: Meine Freunde aus Hong Kong zum Beispiel kannten die Nabelschnurbluteinlagerung bereits. Dort ist es auch üblicher als in Deutschland, diese Art der Vorsorge zu nutzen. Die Mütter in meinen Geburtsvorbereitungskurs haben es alle für völlig absurd gehalten, so etwas zu machen.

Haben Sie damals  auch Ihre Frauenärztin befragt?

Meine Frauenärztin konnte mir bei dem Thema gar nicht helfen. Sie hat nur gesagt: ”Da habe ich gar keine Meinung zu, ich habe davon gehört, aber ich weiß nicht, was ich davon halten soll”.

Sie haben sich schließlich trotzdem dafür entschieden. Was waren Ihre Gründe?

Ich war völlig entsetzt, welche Reaktionen ich auf so ein wichtiges Thema bekommen habe. Ich habe das selbst nicht verstehen können. Man muss schließlich in die Zukunft blicken. Mein Bauchgefühl hat mir einfach gesagt, dass das gewiss später auch ein Weg sein wird, mit Krankheiten umzugehen. Die Frauen im Geburtsvorbereitungskurs waren nur mit ihren Bäuchen beschäftigt. Und selbst die werdenden Väter haben sich nicht auf das Thema eingelassen. Für mich ist es eine Art Lebensversicherung. Bei Aktien weiß man zum Beispiel auch nicht, was dabei rauskommt. Ich war damals eine der allerersten, die sich für die Nabelschnurbluteinlagerung entschieden haben.

Wie haben denn Ihre Freunde und Ihre Familie reagiert, als sie erzählt haben, dass Sie für Anna das Nabelschnurblut eingelagert haben?

Eigentlich eher mit Ignoranz.

Können Sie sich diese Reaktion erklären?

Nein, das kann ich mir überhaupt nicht erklären. Ich bin auf komplettes Unverständnis gestoßen. Wahrscheinlich denken viele gar nicht so weit in die Zukunft. Ich habe mich damals auch dafür entschieden, weil mir die Freunde aus Hong Kong gesagt haben: ”Das macht man hier, das ist selbstverständlich. Das Geld ist doch zweitrangig, die Gesundheitsvorsorge ist das wichtigste”. Man ist dort der Medizin und der Technik viel mehr aufgeschlossen. In Hong Kong ist es auch so, dass sehr viele Stars und Prominente das Nabelschnurblut ihrer Kinder einlagern lassen und sich auch öffentlich dazu bekennen. Wenn es in Deutschland auch so wäre, wäre es hier vielleicht auch anders. So eine Nabelschnurbluteinlagerung ist hier einfach etwas, was tot geschwiegen wird.

In Deutschland ist es  vielleicht eher eine private Geschichte, über die man nicht gern  spricht…

Also, ich habe das überall erzählt, weil ich versucht habe, auch Freunde dazu zu bringen. Weil es damals so wenig Informationen gab, habe ich erzählt, dass es die Möglichkeit der Einlagerung gibt und ich es auch für meine Tochter nutzen werde. Ich hatte nie Zweifel, dass ich damit etwas falsch mache. Es ist natürlich wirklich viel Geld gewesen, aber ich habe gedacht, die Wissenschaft wird sich immer weiterentwickeln. Später wird ganz sicher etwas damit gemacht werden können, egal was es ist. Und irgendwann wird es hilfreich sein. Aber sie haben sich nicht für das Thema interessiert.

Wie denken Sie heute über Ihre Entscheidung?

Ich habe es auf jeden Fall richtig gemacht. Wenn ich Zweifel gehabt hätte, hätte ich bei meiner zweiten Tochter nicht noch einmal darüber nachgedacht.

Können Sie sich noch erinnern, wie die Nabelschnurblut-Entnahme ablief?

Im Krankenhaus selbst wussten sie zunächst nicht, wie sie vorgehen sollten. Ich musste mehrmals darauf hinweisen, dass die Entnahme durchgeführt werden soll. Man musste den Ärzten wirklich das Paket in die Hand drücken und sagen: ”Das möchte ich jetzt, deswegen müssen Sie das jetzt auch machen!”. Ich musste wirklich vehement darauf bestehen. Ich weiß noch, dass sie zu dritt um das Entnahmepaket herumstanden und immer wieder die Entnahmeanleitung gelesen haben. Sie sind wie mit einer Bauanleitung vorgegangen. Im Grunde wussten Sie schon worum es ging, aber sie hatten es noch nie gemacht. Aber es stand alles gut erklärt da. Ich habe mich nur gefragt, ob das wohl gut geht.

Das würde heute sicher anders laufen…

Ich muss Ihnen da zum Teil widersprechen. Ich habe vor vier Jahren noch eine Tochter bekommen. Leider konnte ich aus finanziellen Gründen das Nabelschnurblut nicht privat einlagern lassen. Das fand ich sehr schade, aber ich hatte leider einfach das Geld nicht. Ich habe es dann bei der Spendebank in Düsseldorf einlagern lassen. Bereits im Vorgespräch habe ich mitgeteilt, dass ich mich für diese Variante entschieden habe. Aber ich habe es bestimmt insgesamt fünf Mal sagen müssen, dass ich das machen möchte und habe extra nachgefragt, wen genau ich informieren muss, wenn ich die Entnahme machen möchte.

Sie haben sich also bewusst dafür entschieden, das Blut zu spenden?

Irgendwo habe ich gelesen, dass die Chance sehr hoch sei, dass das Nabelschnurblut noch da wäre, falls man es doch für das eigene Kind brauchen würde, selbst wenn es anonym gelagert wird. Ich habe lange überlegt, wie kann ich das später erklären, dass ich für die eine Tochter Nabelschnurblut eingelagert habe und für die andere Tochter nicht. Aber wenn das Geld absolut nicht da ist, dann geht es eben nicht und dann habe ich mich für diese Variante entschieden.

Inwieweit war für Ihre Entscheidung relevant, dass die Spende primär für einen anderen Menschen gedacht ist?

Wenn es dann bereits vergeben wäre, das wäre in Ordnung. Jedoch hoffe ich natürlich, dass es, wenn ich es für mein Kind brauchen würde, noch zur Verfügung steht. Aber ich meine, es tut keinem weh, das Blut zu spenden. Es ist nichts persönliches, was man weggibt, von daher fiel mir das leicht.

Haben sie denn eine Information bekommen, ob die Spende angenommen werden konnte?

Nein, das bekommt man leider nicht.

Schade, oder?

Ja, das finde ich auch schade.

Halten Sie sich heute eigentlich auf dem Laufenden, welche Erkrankungen mit Stammzellen behandelt werden können?

Nein, das mache ich nicht. Ich lese den Newsletter, den wir regelmäßig von unserer Nabelschnurblutbank bekommen, und damit ist es dann für mich erledigt. Wir sind insgesamt eine gesunde Familie und ich hoffe, dass das auch so bleibt. Aber das weiß man leider nicht. Sollte doch eine Erkrankung auftreten, ist man froh sich so entschieden zu haben. Dann sagt man sich: ”Das hast du klasse gemacht, du hast eine gute Entscheidung getroffen”.

Frau Fassbender, herzlichen Dank für das Interview.

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