Wenn etwas medizinisch möglich ist, warum sollte man es dann nicht auch nutzen? Diese Auffassung vertritt auch die Mutter von der kleinnen Carlotta Luisa. Deswegen ließ Michaela Heiber 2006 das Nabelschnurblut ihrer Tochter bei der Geburt entnehmen und einlagern. Als 2008 ihr Sohn Enrico geboren wurde, war es für sie klar, dass auch er sein eigenes Nabelschnurblut-Depot bekommt.
Sie haben Carlotta Luisas Nabelschnurblut bei der Geburt entnehmen lassen. Aus welchem Grund haben Sie sich damals dafür entschieden?
Wir wollten unserer Tochter einfach die Möglichkeit geben, darauf zurückgreifen zu können, falls sie irgendwann krank werden sollte. Man hofft zwar immer, dass man es nicht braucht, aber wenn uns schon die Möglichkeit gegeben wird, wollten wir sie auch nutzen und das Nabelschnurblut nicht einfach wegwerfen.
Wie sind Sie denn auf die Möglichkeit überhaupt aufmerksam geworden, dass man Nabelschnurblut einlagern lassen kann?
Am Anfang der Schwangerschaft bekommt man ja Unterlagen vom Frauenarzt und von der Krankenkasse. Da waren auch ausführliche Informationsmaterialien zum Thema Nabelschnurblutspende dabei und dann haben wir angefangen, uns darüber weiter zu informieren. Vor der Schwangerschaft hatte ich mir über dieses Thema noch keine Gedanken, da es damals im Freunden- und Bekanntenkreis auch noch keiner gemacht hatte. Wir waren damals so ziemlich die Ersten. Jetzt ist das anders. Heute fragt man sich: “Machst du das auch, lagerst du das auch ein?”.
Was hat Sie genau dazu bewogen, sich näher mit dem Thema zu befassen?
Wir wollten einfach die Chance nicht vertun. Wenn Carlotta Luisa wirklich einmal so krank werden sollte, möchte ich mir nicht vorwerfen müssen, nicht alle Möglichkeiten der Vorsorge für sie getroffen zu haben.
Wie haben Sie sich noch über das Thema Nabelschnurbluteinlagerung informiert, neben den Unterlagen vom Frauenarzt?
Ich haben mir von einer privaten Nabelschnurblutbank Unterlagen schicken lassen. Zusammen mit der beiliegenden CD war mir das dann Information genug. Natürlich habe ich auch noch mit den Ärzten über das Thema gesprochen und gefragt, was sie davon halten. Die Ärzte sind da doch sehr unterschiedlicher Meinung. Manche von ihnen meinten, dass wir uns das gut überlegen sollten, da man heute noch nicht so viel mit dem Nabelschnurblut machen könne und ob es da das Geld wert sei. Ich denke, dass die Ärzte einer Frauenstation dem Thema schon offener gegenüber stehen sollten. Im Endeffekt finde ich aber, dass das jeder für sich selber entscheiden muss.
Und nach Ihrer Erfahrung, würden Sie das Nabelschnurblut ihres nächsten Kindes wieder einlagern lassen?
Ja, das haben wir auch schon. Enrico wurde im Februar 2008 geboren und auch sein Nabelschnurblut haben wir einlagern lassen. Denn wenn man es bei einem Kind macht, warum sollte man es nicht auch beim zweiten tun?
War Ihre Geburtsklinik auf die Entnahme des Nabelschnurblutes vorbereitet?
Ja, schon. Nur der Chefarzt hat schon die Augen verdreht, als er das Entnahmepäckchen gesehen hat und meinte “Oh Gott, nicht schon wieder.” Die Ärzte hatten generell unterschiedliche Meinungen zum Thema Nabelschnurbluteinlagerung. Manche von ihnen wussten nicht, ob sich die Investition bereits lohnt, weil es damals ja noch nicht so viele Erfolgsgeschichten gab. Aber bei der Geburt hat alles super geklappt. Es ist alles schnell erledigt worden und es war auch alles in Ordnung.
Wie hat Ihr persönliches Umfeld darauf reagiert, dass Sie das Nabelschnurblut Ihrer Tochter einlagern lassen wollten?
Wir haben das Thema vor der Geburt natürlich auch im Familienkreis diskutiert und alle haben uns unterstützt. Viele meinten, dass sie es auch gemacht hätten, wenn es früher schon die Möglichkeit dafür gegeben hätte. Zwei meiner Freundinnen, die schwanger waren, und mit denen ich mich über das Thema unterhielt, haben dann auch jeweils das Nabelschnurblut ihrer Kinder einlagern lassen.
Welche Fortschritte erhoffen Sie sich für die Zukunft von der Forschung mit Nabelschnurblut?
Also ich persönlich denke, dass in diesem Bereich zukünftig noch rasante Fortschritte gemacht werden. Denn wenn man so zurückdenkt, was vor zehn Jahren möglich war und was heute machbar ist, kann man doch noch gar nicht absehen, welche Erfolge die medizinische Forschung in den nächsten zehn oder fünfzehn Jahre mit Nabelschnurblut erzielen wird und welche Krankheiten dann bereits mit Nabelschnurblut behandelbar sind. Man muss sich ja nur die Erfolgsgeschichten ansehen, die in den letzten beiden Jahren zum Thema veröffentlicht wurden. Wir leben nun einmal in einer sehr schnelllebigen Zeit, gerade was die medizinische Forschung betrifft. Und vielleicht brauchen wir das Nabelschnurblut für unsere Tochter auch erst in vielen Jahren – wenn überhaupt. Aus diesem Grund haben wir auch das Nabelschnurblut unseres zweiten Kindes Enrico Anfang 2008 einlagern lassen.
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